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Vom ukrainischen Feld auf den deutschen Teller

Die Ukraine will ihre Agrarexporte nach Europa steigern/ Fachveranstaltung auf der Fruit Logistica 2018

Das Potenzial der Ukraine für den europäischen Fruchthandel stand im Zentrum der Diskussionsveranstaltung, die die Arbeitsgruppe Agrarwirtschaft beim Ost-Ausschuss gemeinsam mit der AHK Ukraine und dem BMEL-Projekt „Agritrade Ukraine“ am 8. Februar auf der Messe Fruit Logistica in Berlin veranstaltete. Dank des vor zwei Jahren in Kraft getretenen Freihandelsabkommens (DCFTA) hat das Land seine Agrarexporte in die EU bereits deutlich steigern können und dabei den Ausfall des russischen Marktes ein Stück weit kompensieren können. 2017 stieg der Agrarhandel zwischen der Ukraine und der EU nach ukrainischen Angaben um 31 Prozent auf 7,1 Milliarden Euro, davon entfielen 5,1 Milliarden Euro auf ukrainische Exporte.

Diverse Hürden

Neben Getreide und Sonnenblumenöl – den wichtigsten Agrarexporten der Ukraine - sahen die versammelten Experten gute Marktchancen auch für Beeren, Gemüse, Nüsse und für Produkte aus biologischem Anbau. Diverse Hürden verhindern aber noch, dass die Ukraine ihr Exportpotenzial Richtung Europa voll ausschöpfen kann, insbesondere die EU-Einfuhrquoten und mangelnde Kenntnisse der ukrainischen Hersteller über die EU-Standards und die Marketing- und Qualitätsanforderungen auf dem preis- und wettbewerbsintensiven EU-Markt. Hier Abhilfe zu schaffen ist eines der Ziele des vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) geförderten Projekts „Agritrade Ukraine“, das Projektleiter André Pilling im Rahmen der Veranstaltung vorstellte. Das Beratungsprojekt bringt unter anderem ukrainische Hersteller und deutsche Abnehmer auf Veranstaltungen und Messen zusammen und informiert über die Bedingungen für Marktzugänge sowohl in Richtung EU als auch Ukraine.

Über die Entwicklung der Bio-Landwirtschaft in der Ukraine berichtete Mariia Makhnovets, eine unabhängige Bio-Handels-Expertin. Noch werde erst ein Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Ukraine ökologisch bewirtschaftet. Doch das Potenzial der Biolandwirtschaft sei zehnmal größer als die derzeitige Kapazität. Makhovets zerstreute Zweifel an der Zuverlässigkeit der Zertifizierung, die von der EU überprüft werde: „Sie können den ganzen Produktionsweg vom Feld bis zum Teller verfolgen.“ Bohdan Shapoval, Leiter des Exportverbands „Ukrainian Food Export Board“, gab anschließend einen Überblick über die ukrainischen Exportmärkte, zu denen zunehmend der Nahe Osten und Südostasien gehören.

„Made in Ukraine“ noch keine Marke

Bei der Erschließung neuer Märkte hilft die zunehmende Professionalität der ukrainischen Hersteller und Exporteure: „Die Mentalität der ukrainischen Produzenten ändert sich“, sagte die ukrainische Vize-Agrarministerin Olga Trofimtseva: „Es geht nicht nur um eine geografische Umorientierung.“ Besonders anspruchsvoll sei dabei der europäische, insbesondere der deutsche Markt, der einer der preis- und wettbewerbsintensivsten weltweit sei: „Die Regale in Deutschland sind voll“, sagte Agritrade-Leiter Pilling: „Die ukrainischen Produzenten müssen die notwendigen Informationen über ihre Produkte parat haben und sollten mal vor Ort unterwegs sein, um sich die Läden anzuschauen.“ Noch sei „Made in Ukraine“ keine Marke. Die Leiterin der Wirtschaftsabteilung der ukrainischen Botschaft in Berlin Oksana Kozlovska unterstrich, dass dafür eine aggressive Marketingstrategie notwendig sei. Vize-Ministerin Trofimtseva zeigte sich aber zuversichtlich: „Gebt uns drei bis vier Jahre und Ihr werdet in deutschen Supermärkten ukrainische Früchte und Honig suchen und finden.“

Christian Himmighoffen
Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft

  • Diskussion mit der ukrainischen Vize-Agrarministerin Trofimtseva (2.v.re.). Foto: C. Himmighoffen
Ansprechpartner

Kontakt

Dr. Per Brodersen
Geschäftsführung AG Agrarwirtschaft;
Tel.: 030 206167-124
p.brodersen@bdi.eu

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