Direkt zum Inhalt

4.000 Teilnehmer im östlichen Davos

06.09.2018
Wirtschaftsforum in Krynica/ Steigendes Interesse Chinas an der Region

Jedes Jahr Anfang September findet traditionell das Wirtschaftsforum in Krynica in dem malerischen Kurort, dem „Davos des Ostens“, etwa drei Autostunden südlich von Kraków in den polnischen Karpaten statt. Der Unterschied zwischen dem prosperierenden Zentrum Kraków mit einer Arbeitslosenquote nahe der Vollbeschäftigung und dem kleinen Bergort könnte größer kaum sein – außer Anfang September, wenn wie in diesem Jahr knapp 4.000 Teilnehmer aus Politik und Wirtschaft über den aktuellen Stand und die Zukunft der globalen und mittelosteuropäischen Wirtschaft diskutieren.

Einige der wichtigsten Außenhandelspartner Deutschlands – Polen, Ungarn und Tschechien – entsandten ihre Minister und Wirtschaftslenker, um die großen Zukunftsthemen zu diskutieren. Alle Länder Mittelosteuropas einschließlich der baltischen Staaten aber auch der Ukraine und Südosteuropas waren vertreten. Die Polnisch-Französische Auslandshandelskammer lud bei Café und frischen Croissants zu Gesprächen und zum Netzwerken ein. Die amerikanische AmCham wartete gar mit einem klassischen American Diner auf. Auf vielen Panels warben Vertreter Chinas für ihre „Belt and Road“-Initiative, und auch die Ukraine vertrat intensiv ihre Positionen.

Deutschland blass bis unsichtbar

Auffällig ist, dass Deutschland, das einen signifikanten Teil seines Außenhandels mit diesen Staaten abwickelt, blass bis unsichtbar blieb. Einige wenige Abgeordnete aus dem Bundestag und den Länderparlamenten fanden den Weg nach Krynica. Ähnlich unterrepräsentiert war die deutsche Wirtschaft. Dabei werden hier die entscheidenden Zukunftsthemen diskutiert: Protektionismus versus Liberalismus, Fachkräftesicherung, Wachstum durch Innovation und die Chancen der Digitalisierung, Cybersicherheit, Migration, Gesundheit und vieles mehr. Nach aktuellen Bundesministern und deutschen Wirtschaftsgrößen suchte man jedoch vergebens. Ebenso nach einer Plattform, auf der die EU oder Deutschland Präsenz zeigen und ihre Sichtweise vertreten. So blieb die sich bietende Bühne für einen Dialog zwischen EU-Mitgliedern und anderen ost- und südosteuropäischen Partnern leider ungenutzt.

Der Ost-Ausschuss – Osteuropaverein (OAOEV) nutzte die Gelegenheit dagegen und diskutierte mit Partnern aus der Ukraine, Polen und Moldau über die Kooperation zwischen den EU-Mitgliedern und ihren östlichen Nachbarn bei Handel und Investitionen und stellte sich dabei der Frage, ob und wie diese Beziehungen zum gegenseitigen Nutzen gestaltet werden können. In einem zweiten Panel wurde in Kooperation mit dem Cybersicherheitsrat Deutschland e.V. die Bedeutung der IT-Sicherheit als entscheidendem Faktor für wirtschaftlichen Erfolg mit Partnern aus Ungarn, der Ukraine und Polen diskutiert.

Beide Panels sollen der Auftakt für eine stärkere Nutzung des Forums im nächsten Jahr sein. Ein liberale Handelsordnung, die Sicherung von Fachkräften für morgen, Chancen der Digitalisierung und weitere Themen sind Kernanliegen des OAOEV und seiner Mitglieder. Um diese Themen mit den Partnern aus Polen, Ungarn, Tschechien und weiteren mittel- und osteuropäischen Ländern zu diskutieren, sollte das Forum in Krynica besser und stärker genutzt werden.

Stefan Kägebein
Leiter Arbeitskreis Digitalisierung

 

  • Internationaler Treffpunkt: Das Wirtschaftsforum in Krynica. Foto: S. Kägebein
  • Intensive Diskussionen prägen das Forum. Foto: S. Kägebein
Ansprechpartner

Adrian Stadnicki
Regionaldirektor Mittelosteuropa
Tel.: 030 206167-138
A.Stadnicki@bdi.eu

 

 

 

 

Diese Seite teilen: