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Brückenbauen in Hamburg

"Fokus Osteuropa"-Konferenz 2018

Bei der „Fokus Osteuropa“-Konferenz des OAOEV standen in diesem Jahr die Regionen Mittelosteuropa und Zentralasien und das Thema Digitalisierung im Mittelpunkt. Hochkarätige Speaker und Panelisten lockten am 14. November rund 200 Teilnehmer in die Handelskammer Hamburg. Zur Eröffnung sprach der turkmenische Vize-Premierminister Rashid Meredov über anstehende Investitionsprojekte in seinem Land.  

„In Hamburg gibt es mehr Brücken als in Venedig und Amsterdam zusammengenommen. Die Stadt bringt also hervorragende Voraussetzungen mit, neue Brücken zu bauen.“ Mit diesen Worten lud der Vorsitzende des OAOEV Wolfgang Büchele die Konferenzteilnehmer zum aktiven Netzwerken ein. Wer auf der Suche nach neuen Geschäftsmöglichkeiten war, der konnte schnell fündig werden: So stellte Rashid Meredov, Vize-Premierminister und Außenminister Turkmenistans, zum Auftakt konkrete Investitionsvorhaben vor. „Turkmenistan ist bereit zu umfassenden Kooperationen mit Deutschland“, sagte Meredov und nannte als Ziel eine rasche technologische Erneuerung und Diversifizierung der Wirtschaft des zentralasiatischen Landes. Unter anderem werden Partner für Gaspipelines durch Afghanistan bis Indien und durch das Kaspische Meer in Richtung Europa gesucht. Turkmenistan will Rohstoffe stärker im Land veredeln und zu einer Brücke auf der neuen Seidenstraße nach Europa werden. Mit Turkmenbaschi kann das Land bereits den größten Hafen am Kaspischen Meer vorweisen. Dazu sind Investitionen in Verkehrskorridore und multimodale Logistikzentren vorgesehen. Im Anschluss an seine Rede traf sich Meredov mit OAOEV-Mitgliedsunternehmen, um gemeinsame Projekte zu konkretisieren.

Deutsch-polnische Zukunftsplattform

Marcin Ociepa, polnischer Vizeminister für Unternehmertum und Technologie, schlug mit seinem Vortrag die Brücke zum Thema Digitalisierung: Polen wolle den Zugang zu modernen Technologien verbessern, den Mobilfunkstandart 5G sowie Clouddienste rasch ausbauen und dabei die Erfahrungen der deutschen Wirtschaft nutzen. Für März 2019 kündigte Ociepa die Vorstellung einer deutsch-polnischen Plattform „Industrie der Zukunft“ an. Dies sei mit der Bundesregierung vereinbart worden. Ociepa, der aus der durch die deutsche Minderheit geprägten schlesischen Stadt Opole stammt, betonte das gemeinsame Wertefundament Polens und Deutschlands: „Die Zusammenarbeit mit Deutschland ist mehr als eine strategische Wahl, es ist die natürliche Wahl von Millionen Polen.“ Deutschland sei mit Abstand der wichtigste Handelspartner seines Landes.

In der folgenden Diskussionsrunde, die der Vorsitzende der OAOEV-Geschäftsführung Michael Harms moderierte, wurden Schritte für eine digitale Integration von West- und Osteuropa definiert. Mit Illijana Vavan (Kaspersky Europe), Thomas Kremer (Deutsche Telekom), Osama Romhi (Kühne&Nagel) sowie Andrej Timofeev (BCG) war die Runde exzellent besetzt. Deutlich wurde dabei, dass Deutschland im Vergleich zu manchem osteuropäischen Land digital einen großen Nachholbedarf hat. Kremer kündigte für die Deutsche Telekom Investitionen von jährlich 5,5 Milliarden Euro in den Standard 5G und den Ausbau der Mobilfunkkommunikation an.

Anschließend ging es im Panel „Hidden Champion Eastern Europe“ um die Arbeitsbedingungen deutscher Mittelständler in Mittelosteuropa. An der von OAOEV-Geschäftsführerin Ute Kochlowski-Kadjaia geleiteten Diskussion nahmen Helmut Breit (Raiffeisen Bank International), Klaus Boog (Remmers Gruppe), Martin Neupert (bnt attorneys), Adolf Walth (Messer Gruppe) und OAOEV-Vizevorsitzender C.L. Theodor Wuppermann teil. Dabei wurde betont, dass sich Mittelosteuropa von der verlängerten Werkbank zum innovativen Technologiestandort verändert. Die Akademikerquote sei inzwischen so hoch, dass Personal für klassische Industriejobs schwer zu finden sei. Dies läge auch an der demographischen Entwicklung. So würde sich allein die Bevölkerungszahl Bulgariens von neun Millionen im Jahr 1990 bis 2030 auf etwa 5,5 Millionen reduzieren. Aufgrund des Arbeitskräftemangels seien Unternehmen gezwungen, stärker zu automatisieren, was wiederum eine Chance für deutsche Maschinenbauer sei.

Mit einem Empfang in der Patriotischen Gesellschaft und einer launigen Rede von Torsten Sevecke, Hamburger Staatsrat für Wirtschaft, Verkehr und Innovation, ging die Konferenz zu Ende. Wer gute Ideen habe und Geld verdienen wolle, der müsse nach Hamburg kommen, betonte Sevecke. „In Berlin üben sie noch, wir können das!“ 
 
Andreas Metz,
Leiter Presse und Kommunikation im OAOEV  
 

  • Wolfgang Büchele eröffnete die Hamburger Konferenz. Foto: Andreas Metz
  • Vize-Minister Marcin Ociepa kündigte die Einrichtung einer deutsch-polnischen Zukunftsplattform an. Foto: Stephan Wallocha/OAOEV
  • In den Panel-Diskussionen wurde Deutschland ein deutlicher Nachholbedarf beim Thema Digitalisierung und Mittelosteuropa ein zunehmender Fachkräftemangel bescheinigt. Foto: Stephan Wallocha/OAOEV
Ansprechpartner

Jens Böhlmann
Tel: 030 206167-127
J.Boehlmann@bdi.eu

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