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Die Wiederentdeckung der Ostukraine

Besuch der Delegation beim Bürgermeister von Kryvyi Rih. Foto: DUF

Vom 25. bis 27.Oktober 2018 führten das Deutsch-Ukrainische Forum und der Ost-Ausschuss – Osteuropaverein eine Unternehmerreise in die ostukrainischen Industriezentren Dnipro, Kryvyi Rih und Zaporizhia durch. Zum Besuchsprogramm gehörten auch Besichtigungen von gigantischen Stahlwerken und Wasserkraftwerken sowie die Teilnahme an einem deutsch-ukrainischen Wirtschaftsforum. Vor allem mittelständische Unternehmen nutzten die Chance, die Region kennenzulernen oder alte Kontakt aufzufrischen.

Die Ostukraine, industrielles Herz des Landes, ist eine Region, die durch Erzbergbau, Metallurgie, Schwerindustrie und Maschinenbau geprägt ist und deshalb von jeher ein wichtiger Partner für die deutsche Wirtschaft war. In den letzten Jahren hat die eins wirtschaftsstarke Region jedoch unter den veralteten Industrien und vor allem unter den separatistischen Bewegungen und kriegerischen Auseinandersetzungen mit Russland im benachbarten Donbass gelitten. Aus diesen Gründen waren traditionelle Geschäftsbeziehungen eingeschlafen. Da jedoch die Ostukraine immer noch rund 20 Prozent zum ukrainischen Bruttoinlandsprodukt beiträgt und ein enormer Modernisierungsbedarf bei den regionalen Industriekapazitäten besteht, diente diese seit langem erste Reise deutscher Unternehmensvertreter, die insbesondere den deutschen produzierenden Mittelstand repräsentierten, dazu, sich über aktuelle Geschäftsmöglichkeiten zu informieren.

Geleitet wurde die Delegation durch Rainer Lindner, Vorsitzender des Deutsch-Ukrainischen Forums (DUF), und Ute Kochlowski-Kadjaia, Geschäftsführerin des OAOEV. Erste Station war Dnipro (früher Dnepropetrovsk), wo nach einem Briefing der Delegation durch den deutschen Generalkonsul Wolfgang Mössinger (eigentlich Donezk/ derzeit Dienstsitz Dnipro), ein Deutsch-Ukrainisches Wirtschaftsforum stattfand. Der Vize-Gouverneur der Oblast Dnipro Oleh Kuzhman beschrieb den Teilnehmern das Wirtschafts- und Wissenschaftspotential des Bezirks und stellte lokale Branchen vor. Dazu gehören zum Beispiel Radiotechnik, Energetik, Maschinenbau, Raumfahrttechnik, Engineering, der Landwirtschaftsbereich sowie der Umweltschutz. Die Region verfügt über gut ausgebildete Fachkräfte, die in den 20 Universitäten, 61 Colleges und über 50 Berufsschulen sowie in drei Technologie-Zentren ausgebildet werden. In der Oblast befindet sich mit Pavlograd auch der größte Industriepark der Ukraine. Die deutschen Teilnehmer präsentierten ihrerseits ihre Produkte und Geschäftsangebote. In bilateralen Gesprächen wurden danach alte Geschäftsverbindungen wieder aufgenommen und neue hergestellt.

Besuch im Stahlwerk

Der zweite Tag führte die Delegation nach Kryvyi Rih (Krivoi Rog), wo sich bedeutende Erzlagerstätten befinden. Die Weiterverarbeitung erfolgt zum Beispiel im größten Stahlwerk der Region, Krivorozhstal, das zur Arcelor Mittal-Gruppe gehört und ebenso besichtigt wurde wie das Unternehmen Metinvest und der Erztagebau Yuzhny Gok. Alle Delegationsmitglieder waren beeindruckt von den Dimensionen sowohl der bereits erfolgten Modernisierungen als auch der noch zu bewältigenden Aufgaben und konnten dabei Geschäftschancen identifizieren.

Bereits am Vormittag hatte der Bürgermeister von Kryvyi Rih, Yuri Vilkul, die deutsche Delegation in der Stadtverwaltung zu einem Arbeitstreffen mit örtlichen Unternehmensvertretern empfangen. Diese Gelegenheit nutzte die Stadt, die sich 127 Kilometer entlang der Tagebaue erstreckt, um sich als interessanter Wirtschaftsstandort zu präsentieren.

Letzte Station der Reise war Zaporizhia, die berühmte Heimat der Zaporozher Kosaken und die gemeinsame nationale Identifikationsstätte aller Ukrainer. Auch hier stand eine eindrucksvolle Betriebsbesichtigung im 1932 bis1937 erbauten Wasserkraftwerk Dnipro an, das mit deutscher Beteiligung modernisiert wird. Es folgte eine Kurzvisite im Stahlwerk Zaporozhstal und danach ein Arbeitstreffen in der Stadtverwaltung von Zaporizhia. Hier hob man die Unterstützung der Stadt durch das Stahlwerk Zaporozhstal im Rahmen eines „Sozialpakts“ für soziale Belange hervor. Dies trägt dazu bei, die dringend benötigten Fachkräfte an die Region zu binden. Der Tag klang mit einem Besuch des Freilichtmuseums der Zaporozher Kosaken aus.

Die Reise war für alle Teilnehmer sehr aufschlussreich und geschäftlich interessant und trug dazu bei, die Ostukraine wieder in das Blickfeld der deutschen Wirtschaft zurückzubringen.   

Ute Kochlowski-Kadjaia,
Geschäftsführerin des OAOEV

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