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Gesundheitssektor auf Wachstumskurs

Der usbekische Gesundheitsminister Shadmanov informierte über die Entwicklung des Gesundheitswesens in seinem Land. Foto: C. Himmighoffen
25.10.2019
German-East European Healthcare Symposium“ diskutierte Lösungen im Gesundheitswesen/ Zentralasien im Fokus

Zum zweiten Mal fand am 25. Oktober das „German-East European Healthcare Symposium“ statt, bei dem in diesem Jahr die Entwicklungen im Gesundheitssektor in Zentralasien, insbesondere in Usbekistan und Turkmenistan, im Mittelpunkt standen. Rund 120 Teilnehmer nutzen die Gelegenheit, sich in der Landesvertretung der Freien und Hansestadt Hamburg in Berlin über die Entwicklungen einer Branche zu informieren, die angesichts des immensen Nachholbedarfs in Zentralasien solide Wachstumsaussichten für Pharma- und Medizintechnikunternehmen verspricht. Die Regierung in Usbekistan etwa widmet der Entwicklung der Branche besondere Aufmerksamkeit und setzt dabei auf die Erfahrung und das Know-how ausländischer Akteure.

Begrüßt wurden die Teilnehmer aus Usbekistan, Turkmenistan, der Ukraine, Russland, Deutschland und Österreich von OAOEV-Geschäftsführerin Ute Kochlowski-Kadjaia und Alexander Boxler, dem Geschäftsführer der German Health Alliance, die rund 100 führenden Akteure der deutschen Gesundheitswirtschaft mit internationaler Ausrichtung vereint. Kochlowski-Kadjaia verwies auf die große Bedeutung der Branche und die Anstrengungen in Zentralasien, den Gesundheitssektor zu entwickeln. „Auch die Wirtschaft braucht gesunde Arbeitskräfte“, sagte sie.

„Hürden für private Anbieter beseitigen“

Der usbekische Gesundheitsminister Alisher Kaymovich Shadmanov informierte über die Entwicklung des Gesundheitswesens in seinem Land und die großen Fortschritte, die insbesondere auch durch die Anwendung westlicher Technologien ermöglicht wurden. Ziel etwa des jüngsten Präsidentenerlasses zur Entwicklung des Sektors bis 2025 sei es letztlich, die Lebenserwartung der Bevölkerung zu erhöhen. Dabei zeigte sich Shadmanov durchaus selbstkritisch: „Wir haben verstanden, dass unsere Strukturen nicht adäquat sind.“ Dabei setze die Regierung unter anderem auf PPP-Projekte, die Verbesserung der Ausbildung und eine bessere Finanzierung des Gesundheitswesens und insbesondere auf den privaten Sektor: „Hürden für private medizinische Angebote werden beseitigt“, sagte der Minister.

Darüber hinaus biete die Digitalisierung im Gesundheitswesen neue Chancen zum schnellen Datenaustausch, aber auch zur Kontrolle: „Mit Hilfe der Digitalisierung kann man besser managen und Korruption bekämpfen.“ Auch Mammed Annakov, Abteilungsleiter für Investitionen im turkmenischen Gesundheitsministerium, betonte die Bedeutung ausländischer Technik etwa beim Ausbau der Krankenhäuser.

Chancen der Digitalisierung

Um Digitalisierung im Gesundheitswesen ging es auch in der anschließenden Diskussionsrunde, die von Amelie D’Souza moderiert wurde und an der Gesundheitsminister Shadmanov teilnahm. Die weiteren Diskussionsteilnehmer präsentierten die Vielfalt digitaler Anwendungsmöglichkeiten im Gesundheitssektor. So stelle Iryna Mykhailova von Raccoon World in Kiew und Berlin ihr Angebot einer digitalen Physiotherapie für die Hand-Funktionalität vor, und Olegas Niaksu von der Beratungsfirma AME erläuterte die Möglichkeiten eines standardisierten Datenaustauschs bei eHealth-Angeboten.

Uladzimir Antonenka von der WHO-Tuberkulose-Hilfe aus Gauting führte aus, welche Potenziale die Digitalisierung der Labortechnik bietet, um weltweit den Kampf gegen Tuberkulose zu gewinnen. Anatoli Tirik vom Orthopädietechnikhersteller Otto Bock SE & Co. Duderstadt schilderte die Aktivitäten seines Unternehmens und ging dabei auch auf die Möglichkeiten ein, wie auch in ärmeren Ländern der Zugang zu moderner Prothesentechnik gewährleistet werden kann.

Krebsbekämpfung im Fokus

Eine zweite Diskussionsrunde widmete sich dem Thema der Krebsbekämpfung: Anja Nitzsche von der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien befasste sich mit den Möglichkeiten der Bestrahlung von Tumoren. Krebs sei in Westeuropa Todesursache Nummer 1, jedes Jahr steige die Zahl der Krebsfälle weiterhin, gleichzeitig verringere sich aber dank medizinischer Forschung jährlich die Zahl der Todesfälle. Diese Entwicklung sei in Osteuropa und Zentralasien leider so noch nicht zu beobachten. Hier sei für die nächsten Jahre mit einem Anstieg der Krebsfälle um 200.000 auf jährlich 1,7 Millionen und mit einem gleichzeitigen Anstieg der Todesfälle von 860.000 auf 980.000 zu rechnen. Ziel müsse daher sein, die Krebsbehandlung quantitativ und qualitativ weiter zu verbessern.

Beim Round-Table führte danach Christoph Zielinski, Chef des Wiener Krebs-Zentrums, als Moderator ausführlich in das Problemfeld neuer Behandlungstechnologien ein. Es schloss sich eine Diskussionsrunde an, in der Svetlana Gerbel von Siemens Healthineers in Moskau, Miva Berdymuradova vom Onkologie-Zentrum Aschgabat, Manfred Bruer von der Bruer Consulting aus Hamburg und Alexej Swerdlow, Geschäftsführer der OPASCA GmbH in Mannheim ihre Projekte vorstellten. Dazu gehörte unter anderem ein modernes Krebszentrum, das aktuell mit deutscher Unterstützung in der usbekischen Hauptstadt Taschkent aufgebaut wird.

Ein guter Ansatz zur raschen qualitativen Verbesserung von medizinischer Behandlung und Vorsorge liegt insbesondere in der engeren Vernetzung von Firmen, Krankenhäusern und Forschungseinrichtungen und einem schnelleren Know-how-Transfer, darin war sich die Diskussionsrunde einig. Das German-East European Healthcare Symposium in Berlin hat dazu wichtige Anstöße gegeben.

Katrin Morosow, Christian Himmighoffen, Andreas Metz
Ost-Ausschuss – Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft

Ansprechpartner

Katrin Morosow
Leiterin AK Logistik und Verkehrsinfrastruktur/ Gesundheitswirtschaft
Tel.: 040 325257 49
K.Morosow@bdi.eu

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