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Kasachstan

Stand: Juli 2018

Kasachstans Wirtschaft ist 2017 um vier Prozent gewachsen. Dazu hatten ein höherer Ölpreis und eine Produktionssteigerung des Ölfelds Kaschagan beigetragen. Die Investitionen sind ebenfalls gestiegen. Der Konsum blieb schwach. 2017 war das real verfügbare Einkommen zwar gesunken, er nimmt laut EBRD seit Beginn dieses Jahres aber wieder zu. Die Inflationsrate ging 2017 zurück. Die Angst vor einer Schwächung des Rubels nach der Einführung neuer US-Sanktionen gegen Russland sorgte im Frühjahr für leichte Währungsschwankungen. Insgesamt blieb der Tenge aber stabil.

Wirtschaftsentwicklung

Kasachstans Wirtschaft hat sich erholt. Das BIP-Wachstum stieg 2017 im Vergleich zu 2016 von einem auf vier Prozent an. Dazu trugen die höheren Ölpreise bei. Ende 2016 hatte das Ölfeld Kaschagan erneut seine Produktion aufgenommen. Unter den Nicht-Öl-Sektoren wuchsen die Landwirtschaft, das Transportwesen und der Bausektor – nicht zuletzt aufgrund von Fördermaßnahmen im Rahmen des Konjunkturprogramms Nurly Zhol. Der Staat hatte von 2015 bis 2017 umgerechnet neun Milliarden US-Dollar bereitgestellt. Die Fördermaßnahmen der Regierung, die Stabilisierung des Bankensektors und Strukturreformen stellen die Weichen für eine künftige stabile Entwicklung. Der Leitzins, den die Nationalbank im Februar 2016 auf 17 Prozent erhöht hatte, wurde bis Juni 2017 auf 10,5 Prozent und zuletzt im April 2018 auf 9,25 Prozent gesenkt. Im September 2017 hatte die Halyk-Bank, die größte Privatbank in Kasachstan, mit der Kazkommerzbank das zweitgrößte Geldhaus des Landes übernommen. Nach wie vor ist die Wirtschaft vom Öl abhängig. Für 2018 steht neben der Konsolidierung der Banken weiterhin die Verknüpfung des staatlichen Sektors mit der Privatwirtschaft auf der Agenda. Der Infrastrukturausbau soll verstärkt in Form von Public-Private-Partnership-Projekten umgesetzt werden. Zudem hat der Staat vor, in den kommenden zwei Jahren seine größten Unternehmen, unter anderen die Fluglinie Air Astana und den Uranproduzenten KazAtomProm, zu privatisieren. Hinderlich für Investitionen privater Firmen sind nach wie vor die hohen Zinsen, die Probleme im Bankensektor und die schwache Binnennachfrage. Letzteres liegt an einer Verminderung der real verfügbaren Einkommen im vergangenen Jahr. Sie sollen 2018 wieder zunehmen. Die EBRD erwartet für das laufende Jahr eine Inflationsrate von fünf bis sieben Prozent, ein Prozent weniger, als sie für 2017 prognostiziert hatte.

Für 2018 rechnet die EBRD mit einem BIP-Wachstum von vier Prozent. Das Haushaltsdefizit wird etwas sinken, Rohstoffexporte sowie der höhere Ölpreis werden die wichtigsten Wachstumsquellen sein. Mehr Exporte verringern der Prognose nach die Einfuhrpreise, was sich positiv auf alle Sektoren außerhalb des Rohstoff-Sektors auswirken könnte. Kasachstan hofft zudem auf höhere Zuwachsraten bei den ausländischen Investitionen. Im Zuge der Weiterentwicklung der von China forcierten Belt-&-Road-Initiative werden diese insbesondere von chinesischen Investoren erwartet. Mittelfristig soll das Land besser an internationale Handels- und Warenströme angebunden werden. Offiziellen Angaben zufolge bestehen Vereinbarungen über die Umsetzung von 51 Industrieprojekten für rund 26 Milliarden US-Dollar.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Nachdem Deutschlands Lieferungen nach Kasachstan 2016 auf rund 1,1 Milliarden Euro gesunken waren, gingen sie 2017 wieder um 16,4 Prozent nach oben. Der Umfang deutscher Exporte betrug rund 1,3 Milliarden Euro und übertraf damit das Niveau von 2015. Die wichtigsten Ausfuhrgüter bleiben Maschinen, chemische Erzeugnisse und Fahrzeuge sowie Kfz-Technik. Aus Kasachstan importierte Deutschland vor allem Erdöl und Erdölprodukte (Anteil 2015: 83,9%). Die deutschen Einfuhren stiegen 2017 um 23,5 Prozent auf rund 3,6 Milliarden Euro – eine durchaus positive Entwicklung, nachdem sie 2016 nur um 2,6 Prozent wuchsen.

Aktivitäten des OAOEV

Am 4. und 5. Dezember 2017 hielt sich eine zehnköpfige Delegation des OAOEV in der kasachicschen Hauptstadt Astana auf, um mit Spitzenvertrern des Landes über die Weiterentwicklung der deutsch-kasachischen Wirtschaftsbzeziehungen zu sprechen. In Astana fanden Gespräche mit dem kasachischen Staatspräsidenten Nursultan Nasarbajew, Premierminister Bakytshan Sagintajew sowie dem Gouverneur des Astana International Financial Center Kairat Kelimbetov statt. Beim Gespräch mit dem Staatspräsidenten standen die Themen nachhaltige Energiegewinnung, Digitalisierung und Ausbau der Infrastruktur im Vordergrund. Beim Treffen der OAOEV-Delegation mit dem kasachischen Premierminister Bakytshan Sagintajew ging es insbesondere um die gemeinsame Unterstützng des Mittelstands. In der Gesprächsrunde vereinbarte der OAOEV zusammen mit der kasachischen staatlichen Investitionsagentur Kazakh Invest die Einrichtung einer Arbeitsgruppe, die deutschen Investoren für die Abstimmung von Projekten zur Verfügung stehen wird. Die erste Ad-hoc-Sitzung der Arbeitsgruppe fand am 16. Februar 2018 in Berlin statt.

Das Thema Digitalisierung sowie Auswirkungen auf die Wirtschaft und Gesellschaft prägen nicht nur die DIskussion in Deutschland sondern stehen auch in Kasachstan ganz oben auf der Agenda. Das Thema stand im Fokus der 22. Sitzung des Berliner Eurasischen Klubs am 14. Dezember 2017 in Berlin. Am 13. Februar 2018 fand eine Informationsveranstaltung zur Jahresbotschaft des kasachischen Staatspräsidenten in Zusammenarbeit mit der Botschaft der Republik Kasachstan in Berlin statt.

Am 31. Mai 2018 organisierte der OAOEV gemeinsam mit dem Deutsch-Kasachischen Wirtschaftsrat und der Botschaft der Republik Kasachstan eine Präsentationsveranstaltung der kasachischen Investitionsagentur KazakhInvest in Berlin.

Quellen: ADB, EBRD, IWF, Nationalbank, Nationale Statistikagentur Kasachstans, Statistisches Bundesamt


Statistik 2017

Präsident: Nursultan Nasarbajew
Ministerpräsident: Bakytshan Sagintajew
Hauptstadt: Astana
Bevölkerung: 17,9 Mio.

Nominales BIP: 142,3 Mrd. Euro
BIP pro Kopf: 7.752 Euro
BIP-Wachstum: 4 %
BIP-Wachstum, 2018 (P): 3,8 %

Bilateraler Handel mit Deutschland:
Importe aus KAZ: 3,6 Mrd. Euro
Exporte nach KAZ: 1,3 Mrd. Euro

Quellen: EBRD, GTAI

Ansprechpartner

Eduard Kinsbruner
Regionaldirektor Zentralasien
Tel.: 030 206167-114
E.Kinsbruner@bdi.eu


Links

Kasachische Botschaft

Deutsche Botschaft

Delegation der Deutschen Wirtschaft für Zentralasien

Investitionsagentur

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