Direkt zum Inhalt

Polen

Stand: Juli 2018

Der ständige Streit der polnischen Regierung mit Brüssel wegen des Umbaus der Justiz hat sich nicht auf die Entwicklung der Wirtschaft ausgewirkt. Die Stimmung unter den ausländischen Unternehmen bleibt grundsätzlich gut. Zu einem Problem ist die Luftverschmutzung geworden.

Wirtschaftsentwicklung

Polen befindet sich zwar im Dauerstreit mit der EU, da das Land aus der Sicht von Brüssel ständig demokratische und rechtsstaatliche Grundwerte der Gemeinschaft verletzt. Dabei moniert Brüssel insbesondere eine Justizreform, die im wesentlichen die Rechte des Verfassungsgerichtes beschneidet. Gegen Jahresende 2017 haben sich diese Auseinandersetzung noch einmal zugespitzt, weil die EU gegen Polen ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet hat. Doch hat sich dieser Konflikt bisher nicht negativ auf die Entwicklung der Wirtschaft ausgewirkt. Das Bruttoinlandsprodukt ist 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 4,6 Prozent gestiegen. Der Konsum bleibt weiterhin einer der wichtigsten Wachstumsfaktoren. Die Bauwirtschaft und der Handel sind nach wie vor bedeutsame Wachstumstreiber für die Gesamtwirtschaft.

Die Regierung hat zum 1. Oktober 2017 erneut das Rentenalter gesenkt. Es gelten wieder die alten Regelungen, die von der Vorgängerregierung geändert worden waren. Frauen können schon ab 60 in den Ruhestand gehen, Männer müssen bis  65 arbeiten. Es wird erwartet, dass die Senkung des Rentenalters den Haushalt belasten wird. „Die Kosten dieser Änderung dürften zwischen 2017 und 2021 bei rund 54 Milliarden Złoty (rund 13 Mrd. EUR) liegen“, schätzte die Vorsitzende der staatlichen Rentenversicherungsanstalt ZUS, Gertruda Uscinska.

Zu einem Problem wird immer mehr die grassierende Umweltverschmutzung, Die Weltbank hält den Umgang des Landes mit natürlichen Ressourcen wie Trinkwasser und Luft für kritisch. Die Finanzorganisation stützt sich auf einen Bericht der Weltgesundheitsorganisation (WHO) von Mitte 2016, aus dem hervorgeht, dass 33 der 50 dreckigsten Städten der EU in Polen liegen. Der polnische Premier Mateusz Morawiecki will für die Bekämpfung des Smogs in den kommenden zehn Jahren 25 bis 30 Milliarden Złoty (5,8 bis 6,9 Mrd. EUR) bereitstellen.

Grundsätzlich sind die Prognosen für das weitere Wirtschaftswachstum positiv. Die US-Ratingagentur S&P korrigierte im April 2018 ihre Schätzung für das Gesamtjahr von ursprünglich 3,8 auf 4,5 Prozent nach oben. Das ist deswegen besonders bemerkenswert, weil S&P noch Anfang 2016, als die nationalkonservative Regierung der Partei für Recht und Gerechtigkeit (PiS) ans Ruder gekommen war, die Kreditwürdigkeit für das Land verringert hatte. Allerdings könnte für Polen langfristig ein Problem sein, dass es weniger Fördermittel von der EU erhält. Der neue Haushaltsentwurf, den Brüssel für 2021 bis Ende 2027 vorgesehen hat, sieht insbesondere Kürzungen beim Kohäsionsfonds vor, der dafür sorgen soll, dass das Wohlstandsgefälle zwischen den wohlhabenden westlichen und relativ armen östlichen Mitgliedsländern verringert wird. Polen hat in der Vergangenheit stark von diesem Fonds profitiert.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Die Stimmung unter den Investoren in Polen bleibt gut. Das geht aus der Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Deutsch-Polnischen Industrie- und Handelskammer hervor. 64,3 Prozent der Manager halten die Lage ihres Unternehmens für gut. 56,6 Prozent erwarten, dass sich die Entwicklung im Jahr 2018 weiter verbessert. Polen bleibt weiterhin einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands. Bei den Exporten liegt das Land auf dem achten Platz, bei den Importen sogar auf dem sechsten Platz.

Aktivitäten des OAOEV

Der OAOEV setzt sich für die Weiterentwicklung der wirtschaftlichen Verflechtung als stabilisierendes und tragfähiges Element der deutsch-polnischen Beziehungen ein. Dazu gehört die Stärkung der Wahrnehmung Polens als Wirtschaftspartner Deutschlands in der deutschen Politik und Öffentlichkeit entsprechend seiner wirtschaftlichen Bedeutung.

Quellen: EBRD, IWF, GTAI, Nationales Statistikamt, Weltbank


Statistik 2017

Staatspräsident: Andrzej Duda
Ministerpräsident: Mateusz Morawiecki
Hauptstadt: Warschau
Bevölkerung: 38,5 Mio.

Nominales BIP: 460,4 Mrd. Euro
BIP pro Kopf: 12.124 Euro
BIP-Wachstum: 4,6%
BIP-Wachstum, 2018 (P): 4,0%

Bilateraler Handel mit Deutschland:
Importe aus AL: 51,0 Mrd. Euro
Exporte nach AL: 59,5 Mrd. Euro

Quellen: EBRD, GTAI

Ansprechpartner

Adrian Stadnicki
Regionaldirektor Mittelosteuropa
Tel.: 030 206167-138
A.Stadnicki@bdi.eu

Links

Deutsche Botschaft

Polnische Botschaft

AHK Polen

Diese Seite teilen: