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Russische Föderation

RusslandStand: Juni 2020

Aufgrund des doppelten Schocks von Coronavirus-Epidemie und Ölpreisverfall muss in Russland 2020 mit dem stärksten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) seit der Weltfinanzkrise 2008/2009 gerechnet werden.

 

Wirtschaftsentwicklung

Im Jahr 2019 hatte sich die russische Wirtschaft nach einer zweijährigen Schwächephase wieder stabilisieren können. Das Wachstum war allerdings verhalten. Nach Angaben der Statistikbehörde Rosstat wuchs das russische Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2019 moderat um 1,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2019 kündigte Russlands Präsident Wladimir Putin mit seinem Konjunkturprogramm der „Nationalen Projekte“ hohe Investitionen in den Gesundheitsbereich, in Bildung, in die Infrastruktur und die Digitalisierung an. Die Nationalen Projekte werden jedoch nur schleppend umgesetzt und haben bislang wenig Resultate erzielt. Die geplante beschleunigte Umsetzung 2020 wird nun durch die aktuelle Corona-Krise weiter gefährdet. Aufgrund der Coronavirus-Epidemie und des Ölpreisverfalls sind alle bisherigen Prognosen für 2020 fraglich. Alexej Kudrin, der Vorsitzende des russischen Rechnungshofs und Ex-Finanzminister, prognostizierte zuletzt für 2020 aufgrund des niedrigen Ölpreises und der aktuellen Quarantänemaßnahmen einen Einbruch der russischen Wirtschaft um fünf Prozent. Die EBRD rechnet für 2020 mit einem BIP-Rückgang um 4,5 Prozent. 2021 soll eine Erholung mit einem Plus von vier Prozent folgen.

Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland

Der Wert der deutschen Exporte nach Russland stieg 2019 leicht um 2,6 Prozent auf 26,5 Milliarden Euro. Die deutschen Importe aus Russland gingen im Vergleich zum Vorjahr – bedingt durch niedrige Rohstoffpreise und zeitweise Lieferstörungen entlang der Druschba-Pipeline – auf 31,2 Milliarden Euro (-13,2 Prozent) zurück. Deutsche Unternehmen halten sich mit Investitionen in die russische Wirtschaft derzeit zurück. Das Coronavirus und der Ölpreis-Verfall verstärken diesen Trend. Investitionsprogramme werden von den Unternehmen zunehmend gekürzt. Nach Angaben der Deutschen Bundesbank sind bereits 2019 die Netto-Direktinvestitionen in Russland auf rund 2,1 Milliarden Euro zurückgegangen. Das waren 36 Prozent weniger als 2018. Grund für den Rückgang seien unter anderem die starke Bürokratie, die Sanktionen der EU und der USA sowie der Protektionismus.

Aktivitäten des OAOEV

Um in Zukunft die mittelständischen Strukturen noch weiter zu stärken und deutschen Unternehmen den Eintritt in den russischen Markt zu erleichtern, wurde 2013 auf Initiative des Ost-Ausschusses die Kontaktstelle Mittelstand eingerichtet. Sie hat das Ziel, Netzwerke und Informationen über wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen für den Markteintritt in Russland und anderen osteuropäischen Ländern bereitzustellen und interessierte Unternehmen zu beraten. Gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME), der AHK Russland und dem Russischen Export-Zentrum unterzeichnete der OAOEV auf dem St. Petersburger Wirtschaftsforum Ende Mai 2018 eine Absichtserklärung zu einer Einkaufsinitiative Russland.

Deutsche und russische Unternehmen wollen auf dem Gebiet der Digitalisierung enger zusammenarbeiten. Dazu wurde bereits auf dem St. Petersburg International Economic Forum 2017 ein Memorandum of Understanding (MoU) zwischen dem Russischen Unternehmerverband RSPP und dem Ost-Ausschuss für eine German-Russian Initiative for Digitilization (GRID) unterzeichnet. Dem RSPP und dem OAOEV schloss sich die AHK in Moskau an. Die Initiative wird wesentlich durch die beteiligten Unternehmen getragen, darunter Siemens, SAP und die Robert Bosch GmbH. Auf dem St. Petersburg International Economic Forum (SPIEF) im Mai 2018 organisierte der OAOEV ein Panel zum Thema „Germany-Russia-Business-Dialogue: Efficiency Partnership“.

Im Februar 2019 stellte der OAOEV ein Positionspapier vor, das eine „Neue Agenda“ für die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland, der EU und Russland beschreibt. Es trägt den Titel „Gemeinsame Interessen definieren – gemeinsame Projekte umsetzen: Eine neue Agenda für die europäisch-russischen Wirtschaftsbeziehungen“.

Seit nunmehr fünf Jahren gehört das vom OAOEV organisierte deutsch-russische Unternehmerfrühstück mit den Außenministern beider Länder zu den traditionellen Terminen auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). Auch 2019 trafen sich Mitte Februar auf der MSC rund 30 Unternehmensvertreter zum Arbeitsfrühstück mit den Außenministern Deutschlands und Russlands, Heiko Maas und Sergej Lawrow. Thema waren strategische Felder der bilateralen wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

OAOEV-Geschäftsführer Michael Harms besuchte im März 2019 die russische Region Uljanowsk, parallel zu den dort stattfindenden Tagen der deutschen Wirtschaft. Ende März fand in Berlin die 6. Sitzung des Arbeitskreises Russland im OAOEV statt. Eines der Schwerpunktthema des Arbeitskreises war das Thema Cybersecurity.

Im Oktober 2019 fanden die zwölften Deutsch-Russischen Gespräche Baden-Baden statt. Junge Führungskräfte trafen sich, um sich mit Themen der Digitalisierung, wie z.B. dem Digitalen Humanismus, auseinanderzusetzen.

Anfang Dezember 2019 fand in der russischen Schwarzmeer-Stadt Sotschi das traditionelle jährliche Treffen einer OAOEV-Delegation mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin statt.  Bei den Gesprächen zwischen Ministern und Unternehmensvertretern standen die deutsch-russischen Wirtschaftsbeziehungen und konkrete Unternehmensprojekte im Mittelpunkt.

Der OAOEV ist einer der Träger der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch.

Quellen: BOFIT, Weltbank, GTAI, Statistisches Bundesamt

Statistik 2019*

Hauptstadt: Moskau
Bevölkerung: 146,8 Mio.
Fläche:  17.098.200 km²
Präsident: Wladimir Putin
Ministerpräsident: Michail Mischustin

Nominales BIP: 1.513,91 Mrd. Euro
BIP pro Kopf: 10.317 Euro
BIP-Wachstum: 1,3%
BIP-Wachstum, 2020 (P): -4,5%

Bilateraler Handel:
Deutsche Importe: 31,3 Mrd. Euro
Deutsche Exporte: 26,5 Mrd. Euro

In der Rangliste der Außenhandelspartner
Deutschlands 2019:
Deutsche Ausfuhr: Platz 19
Deutsche Einfuhr: Platz 13

Quellen: EBRD, GTAI
*Teilweise Schätzungen und Prognosen

Ansprechpartner

Dr. Christiane Schuchart
Regionaldirektorin Russland
Tel.: 030 206167-123
C.Schuchart@bdi.eu

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