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Tadschikistan

Stand: Juli 2018

Umfangreiche öffentliche Investitionen ermöglichten Tadschikistan 2016 ein Wachstum von 7,1 Prozent. 2017 stieg es erneut leicht an. Die Wirtschaft leidet aber nach wie vor unter den sinkenden Preisen für Aluminium und Baumwolle. Die Auslandsüberweisungen tadschikischer Gastarbeiter nahmen im vergangenen Jahr wieder zu. Das Land ist unverändert von Geldspritzen internationaler Geber abhängig.

Wirtschaftliche Entwicklung

Wie auch in den Vorjahren steht ein kontinuierliches Wachstum in Tadschikistan diversen Hindernissen gegenüber. Tadschikistan ist im weltweiten Vergleich eines der Länder, die am stärksten von Rücküberweisungen im Ausland lebender Arbeitsmigranten abhängen. Nachdem die Geldtransfers 2016 zum dritten Mal in Folge zurückgegangen waren, nahmen sie 2017 wieder zu. Die Auslandsüberweisungen stiegen laut EBRD von 13,5 von 22,5 Prozent als Folge der verbesserten Wirtschaftsleistung in Russland und Kasachstan. Schätzungen der Weltbank zufolge macht die Gesamtsumme der Überweisungen von 1,8 Milliarden US-Dollar 26,9 Prozent am BIP aus.

Auch die Abhängigkeit von den einzigen bedeutenden Exportgütern Aluminium und Baumwolle sowie die geringe Nachfrage in den Hauptabnehmerländern Russland und Türkei in Verbindung mit niedrigen Rohstoffpreisen verhindern ein anhaltend größeres Wirtschaftswachstum. Die Industrieproduktion stieg 2017 laut der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) von 16 Prozent im Jahr 2016 auf 21,1 Prozent, die Produktion und der Export von Strom auf 16,7 Prozent (2016: 3,7%). Die verarbeitende Industrie wuchs um 22,7 Prozent (2016: 12,8%).

Das Haushaltsdefizit stieg 2016 um 1,7 und im vergangenen Jahr um 2,5 Prozent auf 7,3 Prozent des BIP. Gründe waren höhere Ausgaben für Infrastruktur und geringere Steuereinnahmen. Die Inflationsrate blieb mit 6,7 Prozent stabil (2016: 6,5%). Das deutet darauf hin, dass die Währungspolitik der Nationalbank Wirkung zeigt. Im März 2016 hatten die Währungshüter den Refinanzierungszinssatz von acht auf neun und in weiteren Schritten bis März 2017 auf 16 Prozent erhöht. Nach einer Abwertung von 13 Prozent im Jahr 2016 setzte die Nationalbank die Währung Somoni 2017 erneut um zwölf Prozent herab.

Die ADB erwartet für 2018 einen Abschwung auf sechs Prozent und für 2019 wieder einen leichten Anstieg um 0,5 Prozent auf 6,5 Prozent. Wenn die Volkswirtschaften in Russland und Kasachstan weiter wachsen, dürfte dies unmittelbare Auswirkungen auf die Rücküberweisungen nach Tadschikistan haben und verzögert zu einem leichten Aufschwung führen, prognostiziert die Bank. Auch der Konsum und private Investitionen dürften dann wieder steigen.

Grundsätzlich lebt ein Großteil der tadschikischen Wirtschaft vom informellen Sektor. Sollte die Regierung weiterhin keine grundlegenden strukturellen Reformen vornehmen, wird Tadschikistan auch mittelfristig anfällig für externe Schocks bleiben, heißt es im ADB-Report. Durch ein Wachstumsmodell, das den Schwerpunkt vom Dienstleistungssektor auf Produktion und Export verlegt, könnte sich die Wirtschaft stabiler entwickeln.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Der deutsch-tadschikische Außenhandel bleibt aus deutscher Sicht von eher geringer Bedeutung. Die deutschen Importe aus Tadschikistan, primär Aluminium und Baumwolle, beliefen sich 2017 auf 1,8 Millionen Euro. Der Wert der deutschen Ausfuhren nach Tadschikistan lag 2017 bei rund 55 Millionen Euro und war um rund 40 Prozent höher als im Vorjahr. Exportiert werden vor allem Maschinen, Fahrzeuge und technische Ausrüstung sowie chemische Erzeugnisse. Mit einem Handelsvolumen von gerade einmal rund 56,5 Millionen Euro belegte Tadschikistan im letzten Jahr den letzten Platz im deutschen Osthandel.

Aktivitäten des OAOEV

Im Mai 2015 fand unter der Leitung des OAOEV-Geschäftsführers Rainer Lindner eine Delegationsreise nach Tadschikistan und Kirgisistan statt. Die Delegationsteilnehmer wurden unter anderem vom tadschikischen Premierminister Qohir Rasulzoda empfangen. In der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe wurde ein bilaterales Wirtschaftsforum organisiert, bei dem die Delegationsmitglieder ihre Projekte mit Vertretern der tadschikischen Wirtschaft besprechen konnten. Vor allem Tadschikistan, aber auch Usbekistan, Kasachstan und Turkmenistan standen im Mittelpunkt des 5. Nowruz Forum Mitte April 2016 in Hamburg.

Gemeinsam mit der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit mbH (GIZ) und der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) setzt der OAOEV seit 2012 bereits in der zweiten Phase ein Projekt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) zur Rohstoffkooperation mit Zentralasien um. Im Mai 2016 fand im Rahmen des Projekts die 7. Regionale Dialogplattform zum Thema „Rechtliche Rahmenbedingungen im Bergbausektor“ in der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe statt.

Quellen: ADB, EBRD, gtai, Nationales Statistikamt, Statistisches Bundesamt, UNCTAD

Statistik 2017

Präsident: Emomali Rahmon
Ministerpräsident: Qohir Rasulzoda
Hauptstadt: Duschanbe
Bevölkerung: 8,7 Mio.

Nominales BIP: 6,4 Mrd. Euro
BIP pro Kopf: 723 Euro
BIP-Wachstum: 7,1%
BIP-Wachstum, 2018 (P): 5,0%

Bilateraler Handel mit Deutschland:
Importe aus TJ: 1,7 Mio. Euro
Exporte nach TJ: 54,7 Mio. Euro

Quellen: EBRD, IWF, gtai

Ansprechpartner

Eduard Kinsbruner
Regionaldirektor Zentralasien
Tel.: 030 206167-114
E.Kinsbruner@bdi.eu
 

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