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Usbekistan: Umgestaltung in Rekordtempo

Registan-Platz in Samarkand. Foto: Andreas Metz
Große Delegation des Ost-Ausschusses zu Gast in Usbekistan/ Atemberaubender Strukturwandel

Am 14. Mai reiste eine Wirtschaftsdelegation nach Usbekistan. Mit über 70 Teilnehmern war es die größte Reisegruppe, die der Ost-Ausschuss jemals nach Zentralasien geführt hat. Grund für den Andrang: Das Land befindet sich in einem atemberaubenden Strukturwandel und setzt dabei stark auf die deutsche Wirtschaft. Mit 30 Millionen Einwohnern, davon rund 50 Prozent unter 25 Jahren, ist Usbekistan das bevölkerungsreichste Land in Zentralasien. Altehrwürdige Städte entlang der Seidenstraße künden von großem Reichtum und kultureller und wissenschaftlicher Blüte. Von Samarkand aus errichteten Amir Timur (Tamerlan) und seine Söhne im 14. Jahrhundert ein Großreich, das von China und Nordindien bis an den Bosporus reichte. Die Moscheen in Samarkand, Khiva und Buchara standen Modell für das indische Taj-Mahal. Die arabischen Zahlen, die Algebra und der Algorithmus stammen aus dieser Weltregion. An diese ruhmreiche Geschichte will das lange Zeit international isolierte Usbekistan unter dem seit 2016 regierenden Präsidenten Schawkat Mirsijojew nun anknüpfen – und zwar in atemberaubenden Tempo.

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort

„Seit dem Regierungswechsel sind in Usbekistan die Fenster geöffnet, es gibt einen entschiedenen politischen Willen zur Reform.“ Mit diesen Worten bestärkte der deutsche Botschafter Günter Overfeld die Delegationsteilnehmer in der Hauptstadt Taschkent in ihrem Eindruck, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. Der Staatsapparat sei komplett umgebaut, die Korruption zurückgedrängt, die Verwaltung auf Service orientiert, die Währung konvertierbar gemacht und viele Grenzübergänge zu den Nachbarländern neu geöffnet worden. Die Reformen hätten alle gesellschaftlichen Bereiche erfasst, im Sicherheitsapparat und der Verwaltung seien tausende von Positionen neu besetzt worden, auf den Straßen rund 90 Prozent der Polizeisperren abgebaut und 2700 Leute amnestiert worden. Trotz einiger wirtschaftlicher Härten – die Freigabe des Som führte zu einer Halbierung des Kurses – seien die Reformen unumstritten. Engpässe gebe es bei geeignetem Personal: Aktuell seien eine Justiz-, Steuer- und Zollreform in Vorbereitung. Die neue Führung arbeite regelrecht Tag und Nacht, um das Pensum der Umgestaltung zu schaffen. Die Weltbank führt Usbekistan folgerichtig mittlerweile in den Top 10 der aktivsten Reformstaaten weltweit. Auch die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung hat nach einer mehrjährigen Pause das Engagement in dem Land wieder aufgenommen und ein lokales Büro eröffnet.

Sonderwirtschaftszone Algoritm für deutsche Investoren

Vom hohen Reformtempo konnten sich die Delegationsteilnehmer bei der anschließenden Sitzung des Deutsch-Usbekischen Wirtschaftsrats und des mit 180 Teilnehmern bestens besuchten Deutsch-Usbekischen Businessforums überzeugen. An beiden Veranstaltungen nahm auch Premierminister Abdulla Aripov teil. Dieser unterstrich das Interesse seines Landes an einem raschen WTO-Beitritt und versprach für deutsche Investoren bestmögliche Bedingungen. Dabei beließ er es nicht nur bei Worten, sondern bot sogleich die Schaffung einer freien Wirtschaftszone speziell für deutsche Unternehmen in Taschkent an. Das dafür vorgesehene Gelände mit dem Namen „Algoritm“ konnten die Delegationsteilnehmer noch am selben Tag besichtigen. Die weitläufigen Fabrikhallen am Stadtrand von Taschkent waren früher Sitz eines Umspannwerks, auch Computerteile wurden hier produziert. Am Hauptgebäude wehten bereits deutsche und usbekische Fahnen – höchstes Tempo also auch hier.

Geleitet wurde die Ost-Ausschuss Delegation vom Sprecher des Länderarbeitskreises Zentralasien Manfred Grundke (Knauf), dem früheren Ost-Ausschuss-Vorsitzenden Klaus Mangold (TUI) und von Geschäftsführer Michael Harms. Dieser konnte mit Unterstützung vieler anwesender deutscher Unternehmensvertreter zur Freude der usbekischen Gastgeber den Start eines Austauschprogramms für usbekische Praktikanten ankündigen.

Handel intensiviert sich - hat aber noch großen Nachholbedarf

Das aktuelle Wirtschaftswachstum Usbekistan wird auf rund fünf Prozent geschätzt, die Inflation ist mit 20 Prozent recht hoch, dafür die Staatsverschuldung mit 20 Prozent erfreulich niedrig. Bereits 2017 hatte sich der Handel zwischen Deutschland und Usbekistan spürbar intensiviert: Das bilaterale Handelsvolumen wuchs um 32,5 Prozent auf 600 Millionen Euro. Deutschland ist zwar der wichtigste Partner in der EU, aber die Zahlen sind für ein Land der Größe Usbekistans weiterhin sehr bescheiden. Dies soll sich nach dem Wunsch aller Beteiligten bald ändern. Vor allem der Modernisierungsbedarf und das Potential des Landes etwa in den Sektoren Tourismus, Bau und Rohstoffe, Land- und Ernährungswirtschaft oder im Maschinenbau seien groß, betonte Premier Aripov. Dieser wünschte sich abschließend die baldige Einrichtung einer Deutsch-Usbekischen Auslandshandelskammer in Taschkent – höchstes Tempo also auch hier.

Andreas Metz,
Ost-Ausschuss - Osteuropaverein der Deutschen Wirtschaft

  • Starker Andrang: über 180 Teilnehmer kamen zum Deutsch-Usbekischen Businessforum nach Taschkent
  • Die Leiter der Wirtschaftsdelegation Manfred Grundke (Mitte), Michael Harms (2.v.r.) und Klaus Mangold (r. außen) wurden durch den Usbekischen Premierminister Abdulla Aripov (2.v.l.) begrüßt. Foto: Andreas Metz
  • Besuch der Delegation in der freien Wirtschaftszone "Algoritm" am Stadtrand von Taschkent. Foto: Andreas Metz
  • Manfred Grundke, Sprecher des Arbeitskreises Zentralasien im OAOEV, eröffnete das Wirtschaftsforum. Foto: Andreas Metz
  • Michael Harms moderierte die Diskussionsrunde zu den Investitionschancen für deutsche Unternehmen in Usbekistan. Foto: Andresas Metz
  • Einweihung der Erweiterung des Knauf-Werkes für Gipskartonplatten im usbekischen Buchara durch den usbekischen Premierminister Abdulla Aripov (li.) und Manfred Grundke (Sprecher der Komplementäre der Knauf Gips AG). Foto: Andreas Metz
  • Briefing der Delegation durch den deutschen Botschafter Günter Overfeld. Foto: Andreas Metz
  • Eines der Wahrzeichen von Taschkent ist der Fernsehturm aus sowjetischer Zeit. Foto: Andreas Metz
  • Der Hauptbasar in Taschkent mit der Kuppel der Fleischhalle. Foto: Andreas Metz
  • Buchara ist berühmt für seine Bauwerke aus der Zeit der Seidenstraße. Foto: Andreas Metz
  • Denkmal für die Seidenstraße in Samarkand. Foto: Andreas Metz
  • Denkmal für Amir Temur in Taschkent, der im 14. Jahrhundert vom heutigen Usbekistan aus ein Großreich errichtete. Foto: Andreas Metz
  • Marktszene in Taschkent. Foto: Andreas Metz
Ansprechpartner

Andreas Metz
Leiter Presse und Kommunikation
Tel.: 030 206167-120
A.Metz@bdi.eu

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