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Armenien

ArmenienStand: Juli 2018

Nach einem BIP-Sprung 2017 um 7,5 Prozent soll die Wirtschaft Armeniens im laufenden Jahr mit 4,0 Prozent moderater wachsen. Im Mai 2017 haben die EU und Armenien ein neues umfassendes Partnerschaftsabkommen unterzeichnet, das die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen vertiefen soll.

Wirtschaftsentwicklung

Nach Schätzungen der Asiatische Entwicklungsbank (ADB) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) wuchs Armeniens Bruttoinlandsprodukt 2017 kräftig um  7,5 Prozent und verbuchte damit den schnellsten Zuwachs in der Region Zentralasien. Zuvor hatten Finanzinstitutionen noch mit einem Wachstum von etwa vier Prozent gerechnet. Für den Wachstumssprung sorgten laut ADB die starke In- und Auslandsnachfrage. Starke Zuwächse verzeichnete die Industrieproduktion, die sich mit  10,4 Prozent Wachstum verdoppelte. Davon ausgenommen war der Bausektor. Auch der Dienstleistungssektor legte um 10,4 Prozent zu, getrieben von der Erholung des Konsums. Im Jahr zuvor hatte die Wirtschaft des Kaukasuslandes noch nahezu stagniert (+0,2%). Die Entwicklung in Russland hat nach wie vor einen erheblichen Einfluss auf die wirtschaftliche Zukunft Armeniens. Das Land ist von Rücküberweisungen armenischer Gastarbeiter abhängig, die durch die schwächelnde russische Wirtschaft 2016 gesunken waren. Mit Erholung in Russland stiegen auch die Rücküberweisungen und sorgten damit für eine Belebung der Wirtschaft. Die Inflation lag im vergangenen Jahr bei moderaten 1,0 Prozent, das Haushaltsdefizit bei 2,5 Prozent des BIP. Wichtiges Potenzial bieten der Infrastruktursektor, die Landwirtschaft, das verarbeitende Gewerbe, der IT-Sektor und der Tourismus. Auch der Energiesektor spricht für weitere Impulse für die Wirtschaft. Grund sind Projekte im Bereich der Energiesicherheit, die Jerewan plant. Im Infrastrukturbereich spielen vor allem der Nord-Süd-Straßenkorridor sowie der Bau einer Eisenbahnverbindung in den Iran eine Rolle.

Für 2018 prognostizieren die internationalen Finanzinstitute einen langsameren Wirtschaftszuwachs von 3,5 Prozent bis 4,2 Prozent. Die ADB geht von 4,0 Prozent aus. Für die guten Wachstumsaussichten sprechen laut Germany Trade & Invest (gtai) anhaltende reale Zuwächse in vielen Wirtschaftssektoren, der Konjunkturaufschwung auf wichtigen Auslandsmärkten, weiter steigende Geldüberweisungen armenischer Gastarbeiter sowie ein stabiler Wechselkurs. Hemmende Faktoren sind die geringen Binneninvestitionen – eines der Hauptprobleme der armenischen Wirtschaft – und ungelöste geopolitische Fragen im Südkaukasus wie der Konflikt mit Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach. Die von den Nachbarländern Aserbaidschan und Türkei infolge des Konflikts seit den 1990er-Jahren verhängte Verkehrs- und Energieblockade bremst eine stärkere Einbindung in die internationale Wirtschaft. Die Schattenwirtschaft, stockende Reformen, oligarchische Strukturen, Defizite in der Infrastruktur und schwache Institutionen belasten weiterhin die Konjunktur. Eine weitere Herausforderung ist die Staatsverschuldung. Hoffnung auf Wachstum macht das Regierungsprogramm für den Zeitraum 2017 bis 2020. Es umfasst unterschiedliche Maßnahmen, die für ein besseres Geschäftsklima sorgen sollen, für eine Erhöhung der Exporte von Waren und Dienstleistungen auf bis zu 45 Prozent des BIP, mehr ausländische Investoren sowie für einen Abbau der Armut um zwölf Prozentpunkte. Das Programm setzt ein BIP-Wachstum von durchschnittlich fünf Prozent bis 2022 als Zielmarke.

Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland

Im Jahr 2017 betrug das bilaterale Handelsvolumen zwischen Deutschland und Armenien 264,1 Millionen Euro. Die deutschen Exporte stagnierten bei 151,8 Millionen Euro, die Importe ebenfalls und lagen bei 112,3 Millionen Euro. Aus Deutschland werden hauptsächlich Maschinen, Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile, chemische Erzeugnisse sowie Rohstoffe nach Armenien exportiert. Bei den Importen aus Armenien dominieren NE-Metalle, Eisen und Stahl sowie Textilien und Bekleidung.

Aktivitäten des OAOEV

Im Februar 2017 veranstaltete der OAOEV gemeinsam mit anderen Partnern ein Deutsch-Armenisches Wirtschaftsforum in Berlin. Im Zentrum der eintägigen Veranstaltung standen die Möglichkeiten der bilateralen Zusammenarbeit im Bereich der Informationstechnologien, des Verkehrs und im Energiesektor. OAOEV-Geschäftsführer Michael Harms traf im Mai 2017 bei einem Besuch in der armenischen Hauptstadt Jerewan den armenischen Ministerpräsidenten Karapetjan. Vereinbart wurden eine engere Zusammenarbeit in den Bereichen Infrastruktur, Energie, IT, Landwirtschaft und Bergbau sowie eine flexible Arbeitsgemeinschaft zwischen dem OAOEV und dem armenischen Wirtschaftsministerium. Im Juni 2017 organisierte der OAOEV eine Round-Table-Netzwerkveranstaltung mit der Stiftung Initiatives for Development of Armenia in Berlin.

Quellen: EBRD, GTAI, IWF, Nationales Statistikamt, Statistisches Bundesamt

Statistik 2017

Staatspräsident: Armen Sarkissjan
Ministerpräsident: Nikol Paschinjan
Hauptstadt: Jeriwan
Bevölkerung: 3,0 Mio.

Nominales BIP: 9,82 Mrd. Euro
BIP pro Kopf: 3.295 Euro
BIP-Wachstum: 7,5%
BIP-Wachstum, 2018 (P): 3,5%

Bilateraler Handel mit Deutschland:
Importe aus AM: 112,3 Mio. Euro
Exporte nach AM: 151,8 Mio. Euro

Quellen: EBRD, GTAI

Ansprechpartner

Dr. Martin Hoffmann
Regionaldirektor Osteuropa
Tel.: 030 206167-126
M.Hoffmann@bdi.eu

Links

Armenische Botschaft

Deutsche Botschaft

Deutsche Wirtschaftsvereinigung (DWV)

Wirtschaftsministerium

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