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Belarus

Stand: Juli 2018

Nach zwei Rezessionsjahren ist die belarussische Wirtschaft 2017 wieder gewachsen – um 2,4 Prozent. Zuletzt bemühte sich die Regierung wieder stärker um eine Öffnung gegenüber der EU. Das Land ist weiterhin am EU-Programm der Östlichen Partnerschaft beteiligt. Aufgrund der politischen Situation in Belarus gibt es gegenwärtig allerdings keinen Aktionsplan. Im Februar 2016 hat die EU aber die meisten Sanktionen gegen das Land ausgesetzt. Belarus ist Gründungsmitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion mit Russland, Kasachstan, Kirgisistan und Armenien, die Anfang 2015 als Nachfolger der Zollunion in Kraft trat.

Wirtschaftliche Entwicklung

Mit voller Wucht war Belarus 2016 von der russischen Rezession getroffen worden. Zu eng ist das Land über Handel, Investitionen und den Bankensektor mit dem Nachbarn verflochten, zu ineffizient und schockanfällig ist die in vielen Bereichen zentral gelenkte Volkswirtschaft an der Ostgrenze der EU. Die Wirtschaft erlebte 2016 mit einem Minus von 2,6 Prozent einen Rückgang des realen BIP. 2017 fand das Land aber aus der zweijährigen Rezession. Laut der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) wuchs die Wirtschaft um 1,5 Prozent. Der Internationale Währungsfonds (IWF) berichtet sogar ein Wachstum von 2,4 Prozent. Dazu trug vor allem die Belebung der Exporte bei, die in den beiden Vorjahren unter den niedrigen Preisen für die Hauptexportgüter Ölprodukte und Dünger sowie der Schwäche wichtiger Absatzmärkte, vor allem Russlands und der Ukraine, litten. Die Stabilisierung des Wechselkurses, die schwache Inlandsnachfrage, ein moderates Lohnwachstum und eine allgemein konservative makroökonomische Politik haben dazu beigetragen, dass die Inflationsrate von 11,8 Prozent auf 6,0 Prozent gesunken ist – das niedrigste Niveau der letzten Jahre. Das Leistungsbilanzdefizit lag 2017 bei 1,8 Prozent des BIP.

Die Wirtschaftsaussichten haben sich verbessert. Gründe sind die Beilegung des Gaspreisstreits mit Russland, die Vereinbarung zur Wiederherstellung der Rohöllieferungen nach Belarus, die Wiederaufnahme der Zahlungen durch den Eurasischen Fonds für Stabilisierung und Entwicklung, die Bereitstellung eines Kredites durch Russland und die erfolgreiche Platzierung von belarussischen Eurobonds. Diese Entwicklungen haben dazu beigetragen, den Finanzierungsdruck der belarussischen Regierung zu verringern. Risiken bleiben dennoch aufgrund der großen Abhängigkeit vom Nachbarn Russland sowie der geringen Diversifizierung der Ausfuhren bestehen. Die Wachstumsaussichten hängen weiterhin vom Umfang der Strukturreformen ab. Auch die Weltmarktpreise für Rohstoffe und eine stabile Exportnachfrage sind Voraussetzung für einen weiteren Aufwärtstrend. Der IWF rechnet 2018 mit einem Wirtschaftswachstum von 2,8 Prozent, die EBRD mit 2,0 Prozent.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutschland ist ein wichtiger Handelspartner der Republik Belarus. Nachdem der bilaterale Handel in den letzten drei Jahren zurückging, verzeichnete er 2017 einen erneuten Aufwärtstrend. Die deutschen Exporte zogen 2017 um etwa ein Drittel auf 1,5 Milliarden Euro an. Die deutschen Importe lagen bei 507 Millionen Euro, 11,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Dabei dominierten Erdölerzeugnisse, Eisen und Stahl sowie Rohstoffe und chemische Erzeugnisse. Deutschland exportiert vorwiegend Maschinen, Kfz und Kfz-Teile sowie Elektrotechnik nach Belarus.

Aktivitäten des OAOEV

Gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) und der AHK Ukraine startete der OAOEV Ende 2016 eine „Einkäuferinitiative“ mit der Ukraine, Belarus und Moldau. Ziel ist es, Lieferanten aus den drei Ländern für deutsche industrielle Einkäufer zu identifizieren und die Unternehmen so in internationale Wertschöpfungsketten einzubinden. Im November 2016 reiste eine Unternehmerdelegation unter Leitung von OAOEV-Geschäftsführer Michael Harms nach Minsk. Harms traf dabei den belarussischen Außenminister Wladimir Makej zu einem Gespräch.

Im März 2017 hat der deutsch-belarussische Unternehmerrat auf Initiative des OAOEV seine Arbeit wieder aufgenommen. Damit sollen die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Deutschland und der Republik Belarus nach der Aussetzung der EU-Sanktionen im Jahr 2016 wieder intensiviert werden. Diesem Ziel dient auch der Arbeitskreis Belarus im OAOEV. Im Rahmen einer Delegation des OAOEV reisten vom im Mai/Juni 2017 rund 25 Vertreter vorwiegend mittelständischer Unternehmen zu hochrangigen Gesprächen in die belarussische Hauptstadt Minsk. Im Rahmen der Reise fand die erste Sitzung des Unternehmerrates statt, der direkte Unternehmenskontakte und den Informationsaustausch unterstützen soll. An dessen Eröffnung nahm Außenminister Wladimir Makej teil.

Seit 2011 führte der Ost-Ausschuss im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ein Partnerschaftsprojekt mit belarussischen Kammern und Verbänden durch. Das Projekt zur Förderung des Fach- und Erfahrungsaustausches zwischen der deutschen und belarussischen Wirtschaft lief im Jahr 2017 aus.

Quellen: EBRD,  EU, GTAI, IWF, Nationales Statistikamt, Statistisches Bundesamt, Weltbank

Statistik 2017

Staatspräsident: Alexander Lukaschenko
Ministerpräsident: Andrej Kabjakou
Hauptstadt: Minsk
Bevölkerung: 9,6 Mio.

Nominales BIP: 47,8 Mrd. Euro
BIP pro Kopf: 5.023 Euro
BIP-Wachstum: 2,4%
BIP-Wachstum, 2018 (P): 3,0%

Bilateraler Handel mit Deutschland:
Importe aus BY: 0,5 Mrd. Euro
Exporte nach BY: 1,5 Mrd. Euro

Quellen: EBRD, GTAI

Ansprechpartner

Dr. Martin Hoffmann
Regionaldirektor Osteuropa
Tel.: 030 206167-126
M.Hoffmann@bdi.eu

Links

Belarussische Botschaft

Deutsche Botschaft

Repräsentanz der Deutschen Wirtschaft

Wirtschaftsministerium

Pressemitteilung

Ost-Ausschuss begrüßt Aufhebung der Belarus-Sanktionen durch die EU

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