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Polnisches Wirtschaftswunder

Diskussionsrunde im Rahmen des Deutsch-Polnischen Wirtschaftsforums mit den beiden Ministern.
18.03.2019
1. Deutsch-Polnisches Wirtschaftsforum in Berlin mit den Ministern Altmaier und Emilewicz

„Die Aufbruchstimmung Polens würde Deutschland guttun.“ Mit diesen Worten fasste Iris Plöger, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, die Eindrücke des 1. Deutsch-Polnischen Wirtschaftsforums treffend zusammen. Rund 250 Teilnehmer waren am 18. März ins Bundeswirtschaftsministerium gekommen und erlebten einen selbstbewussten und ambitionierten Auftritt des EU-Nachbarlandes.

„Ich möchte, dass wir nach dieser Konferenz in Deutschland nicht mehr von der `Polnischen Wirtschaft` sondern vom `Polnischen Wirtschaftswunder` sprechen“, lautete eine Forderung der polnischen Ministerin für Unternehmertum und Technologie Jadwiga Emilewicz aus Ihrer Eröffnungsansprache. Polen wolle in den kommenden beiden Jahren den bilateralen Handelsaustausch von aktuell rund 120 Milliarden Euro (2018) weiter steigern und vom  siebten Platz unter die TOP-5 der deutschen Handelspartner aufsteigen, kündigte die Ministerin an. Russland – inzwischen auf Platz 13 – habe man schon weit hinter sich gelassen. „Polen ist ein viel wichtigerer strategischer Partner Deutschlands. Das ist unsere gemeinsame Errungenschaft der vergangenen 30 Jahre“, betonte die Ministerin.

Europäische Industriestrategie

Gemeinsam mit Ihrem deutschen Kollegen Peter Altmaier forderte Emilewicz die EU dazu auf, eine ehrgeizige Industriestrategie zu entwickeln. „Wir müssen jetzt wieder wettbewerbsfähiger werden, wenn wir wollen, dass weitere Generationen Europa nicht als exklusives Museum betrachten.“ Aktuell gehe es darum, die bestehende Wirtschaftsarchitektur zu verteidigen. Die Achtung internationaler Regeln, die Abschaffung von Wirtschaftsbarrieren, freier Handel - dies sei so wichtig wie Luft zum Atmen. „Die Zusammenarbeit des Westens muss wiedergeboren werden, um unsere Interessen zu wahren“, so Emilewicz.

Altmaier schlug in seiner Rede ähnliche Töne an. Es sei bedauerlich, dass Europa sein Ziel, bis 2020 zur innovativsten Region der Welt zu werden, voraussichtlich deutlich verfehlen werde. Umso wichtiger sei es jetzt, Tempo zu machen und Schlüsseltechnologien zu stärken, um die technologische Souveränität im weltweiten Wettbewerb zu bewahren. Altmaier verteidigte die von ihm im Frühjahr vorgelegte nationale Industrie-Strategie und sprach sich einmal mehr für die Gründung eines „Airbus für Künstliche Intelligenz (KI)“ aus. Ähnlich wie die EU bei der Entwicklung von Großraumflugzeugen durch Bündelung von Expertise Erfolge erreicht habe, müssten nun gemeinsame Anstrengungen zur Erforschung und Entwicklung von KI gemacht werden. KI sei eine „horizontale Basisinnovation“, die viele Bereiche der Wirtschaft von Morgen prägen werde. Gleiches gelte für die Batteriezellenindustrie. „Wir müssen Konsortien bilden, die unterschiedliche Produktionsschritte abbilden können“, forderte Altmaier. Zur Förderung dieses Ansatzes habe er bis 2021 eine Milliarde Euro in seinem Haushalt reserviert. Gerade auch polnische Unternehmen seien eingeladen, sich an diesem Projekt zu beteiligen.

Für die polnischen Gäste hielt Altmaier insgesamt viel Lob bereit: Sollte der neue Berliner Flughafen auf Dauer nicht geöffnet werden, wäre zu überlegen, ihn einfach in Polen zu errichten: „Ich bin überzeugt, die Polen können das.“

Mehr als nur verlängerte Werkbank

Dass die polnische Wirtschaft inzwischen viel mehr als nur eine verlängerte Werkbank,  sondern selbst innovativ ist, wurde in den nachfolgenden Diskussionsrunden und Workshops deutlich, in denen polnische Unternehmen ihre IT-Expertise, ihre Fertigkeiten bei E-Mobilität oder zur Erforschung des Weltraums vorstellen konnten.

Dass es höchste Zeit ist, Kräfte in Europa zu bündeln, wurde im Panel zum Thema Batteriezellenfertigung deutlich, die aktuell von asiatischen. Unternehmen dominiert wird. „Wir müssen generell schneller werden“, betonte Dr. Sven Bauer, CEO des Batterieherstellers BMZ. Während in Deutschland die Produktzyklen bei vier Jahren lägen, käme in Korea beispielsweise alle neun Monate eine neue Handygeneration auf den Markt. Bauer forderte auch eine andere Fehlerkultur ein. „Man muss Fehler machen dürfen.“ Altmaiers Vorstoß zur Schaffung eines Batteriekonsortiums könne zwar scheitern, „aber er macht was. Das finde ich cool!“

Austausch mit OAOEV-Mitgliedsunternehmen

Die genannten Themen wurden am Nachmittag in einem Unternehmergespräch vertieft, das der OAOEV gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in deren Räumlichkeiten am Tiergarten organisierte. Ministerin Emilewicz wurde dort von Philipp Haußmann, Sprecher des OAOEV-Arbeitskreises Mittelosteuropa und Vorstandssprecher der Ernst Klett AG sowie von OAOEV-Geschäftsführerin Ute Kochlowski-Kadjaia begrüßt. Die Ministerin nahm sich eineinhalb Stunden Zeit, um die Fragen von Mitgliedsunternehmen des OAOEV zu beantworten und ihrerseits für Investitionen in Polen zu werben. Noch würden deutsche Unternehmen Polen zu wenig als Standort für Forschung und Entwicklung nutzen, bedauerte Emilewicz. Unternehmen aus Frankreich und den USA seien hier wesentlich investitionsfreudiger. Der erste Schritt, dies zu ändern, wurde mit den bilateralen Treffen und dem 1. Deutsch-polnischen Wirtschaftsforum gemacht. Im kommenden Jahr soll das Forum auf polnischem Boden wiederholt werden.

Andreas Metz
Leiter Presse und Kommunikation im OAOEV

  • Unternehmergespräch mit Ministerin Emilewicz in Kooperation von DGAP und OAOEV.
  • Über 200 Teilnehmer kamen zum 1. Deutsch-Polnischen Wirtschaftsforum ins Bundeswirtschaftsministerium.
  • OAOEV-Infostand im Bundeswirtschaftsministerium.
  • Ministerin Jadwiga Emilewicz (2.v.l) mit OAOEV-Arbeitskreissprecher Philipp Haußmann (l.), OAOEV-Geschäftsführerin Ute Kochlowski-Kadjaia und Regionaldirektor Adrian Stadnicki. Fotos: Andreas Metz
Ansprechpartner

Adrian Stadnicki
Regionaldirektor Mittelosteuropa
Tel: 030 206167-138
A.Stadnicki@bdi.eu
 

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