Direkt zum Inhalt

Kosovo

Stand: Juli 2018

Die kosovarische Wirtschaft wächst langsamer. Der private Konsum bleibt wichtigster Impulsgeber. Hinzu kommt eine robuste Investitionsneigung. Importe decken das Gros der Nachfrage nach Konsum- wie Investitionsgütern ab. Allerdings sorgt die Regierungskrise seit dem Austritt der Partei Serbische Liste, der Vertretung der serbischen Minderheit, für Verunsicherung. Eine absolute Mehrheit erlangte keine Partei. Von einer stabilen Regierung hängt es ab, ob wichtige Strukturreformen weiter umgesetzt werden.

Wirtschaftliche Entwicklung

Das BIP-Wachstum lag im Kosovo im vergangenen Jahr bei 3,7 Prozent, 0,3 Prozent mehr als 2016. Das Wachstum begründet die EBRD mit starken Investitionen und hohen Rücküberweisungen von im Ausland lebenden Kosovaren. Der IWF gewährt dem Kosovo seit Ende Juli 2015 im Rahmen eines sogenannten Bereitschaftskreditabkommens (Stand-By Arrangement) finanzielle Unterstützung, insgesamt 185 Millionen Euro. Nachdem bis Ablauf der festgelegten Frist zum August 2017 noch keine Regierung gebildet war, setzte der IWF die Zahlung der letzten Tranche von 15 Millionen Euro aus. Besonders wichtig bleibt es, neue Arbeitsplätze zu schaffen, um die beträchtliche Arbeitslosigkeit einzudämmen. Laut dem zuletzt verfügbaren Bericht Labour Force Survey des kosovarischen Statistikamts lag die Erwerbslosenquote im vierten Quartal 2017 bei 29,8 Prozent, 1,1 Prozentpunkte mehr als im vierten Quartal 2016. Die Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen stieg in diesem Zeitraum von 52,2 auf 55,9 Prozent. Positiv ist die Entwicklung beim privaten Verbrauch, der das gesamtwirtschaftliche Wachstum stimuliert. Dabei geht die anhaltend robuste Konsumneigung der Bevölkerung zu einem guten Stück auf Geldtransfers von im Ausland lebenden Kosovaren zurück. Denn dank der stabilen Konjunktur in Deutschland und in der Schweiz, wo das Gros der kosovarischen Diaspora lebt, ist bis auf Weiteres ein merkliches Abflauen oder gar Versiegen der Geldströme kaum zu befürchten.

Das gesamtwirtschaftliche Vorankommen dürfte sich weiterhin auf den privaten Verbrauch stützen können. Aufgrund der politischen Unsicherheit könnten Konsum- und Investitionsklima jedoch gebremst werden, analysieren die Experten der EBRD. Demnach stagniert das Wachstum 2018 und bleibt auf dem Niveau von 3,7 Prozent. Seit dem Austritt der Serbischen Liste, der Partei der serbischen Minderheit im Kosovo, ist die Regierung von Präsident Ramush Haradinaj geschwächt. Sie wird es schwer haben, die Arbeitslosigkeit einzudämmen sowie das Abwandern von Fachkräften zu verhindern, sagen EBRD-Experten. Nach wie vor ist die Wirtschaft stark von externen Faktoren wie die Rücküberweisungen und Investitionen abhängig. Wachstumsimpulse sind in den kommenden Jahren zudem von den Bruttoanlageinvestitionen zu erwarten. Die Investitionen stützen neben der öffentlichen Hand vor allem zahlreiche internationale Geber, die sich im Rahmen bi- und multilateraler Vereinbarungen bei zahlreichen Vorhaben seit Jahren aktiv einbringen. Durch das am 1. April 2016 in Kraft getretene Assoziierungsabkommen zwischen der EU und Kosovo soll das Land näher an die EU herangeführt werden. Ein entsprechendes Engagement europäischer Partner könnte weitere Wachstumsimpulse bringen. Entscheidend werden allerdings auch die Beziehungen zum benachbarten Serbien sein. Über die Möglichkeit, Staatsangehörige des Kosovo künftig für Kurzaufenthalte von bis zu 90 Tagen in den Schengen-Staaten von der Visumspflicht zu befreien, hat die EU bisher noch nicht entschieden.

Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland

Der Außenhandel Deutschlands mit dem Kosovo bewegt sich auf ausgesprochen niedrigem Niveau. Dennoch sind die deutschen Ausfuhren im letzten Jahr um 3,4 Prozent auf 191,2 Millionen Euro gestiegen. Geliefert werden an erster Stelle Maschinen, chemische Erzeugnisse sowie Kraftfahrzeuge und Kfz-Teile. Auch die Importe nach Deutschland zogen 2017 gegenüber dem Vorjahr um 44,7 Prozent auf 23 Millionen Euro an. Deutschland importiert vor allem Textilien, Rohstoffe und Maschinen. Bei den Hauptlieferländern belegt Deutschland hinter Serbien und vor der Türkei sowie China den zweiten Rang.

Aktivitäten des OAOEV

Am 1. Juli 2015 organisierte der OAOEV unter der Leitung von Geschäftsführer Rainer Lindner ein Abendessen mit dem kosovarischen Premierminister Isa Mustafa und Unternehmensvertretern, anlässlich seines Antrittsbesuches bei Bundeskanzlerin Angela Merkel. Im Rahmen seines Deutschlandbesuches traf am 7. Oktober 2015 der Präsident der kosovarischen Wirtschaftskammer Safet Gerxhaliu, begleitet vom Botschafter Kosovos Skender Xhakaliu und dem Berater der Kammer Berat Ruqui zu einem Gespräch mit Geschäftsführer Lindner zusammen. Der OAOEV unterstützt die Arbeit der Kammer seit vielen Jahren aktiv.

Der OAOEV steht in regelmäßigem Dialog mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft Kosovos sowie mit den im Land tätigen europäischen und internationalen Organisationen. Mit dem Stipendienprogramm der Deutschen Wirtschaft für den Westbalkan bietet der OAOEV jungen Nachwuchskräften aus dem Kosovo die Möglichkeit, im Rahmen von Berufspraktika in deutschen Unternehmen Erfahrungen zu sammeln. Das Programm ist eine gemeinsame Initiative mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Quellen: EBRD, gtai, IWF, Nationales Statistikamt, Statistisches Bundesamt

Statistik 2017

Präsident: Hashim Thaci
Ministerpräsident: Ramush Haradinaj
Hauptstadt: Prishtina
Bevölkerung: 1,9 Mio.

Nominales BIP: 6,3 Mrd. Euro
BIP pro Kopf: 3.403 Euro
BIP-Wachstum: 3,7%
BIP-Wachstum, 2018 (P): 3,7%

Bilateraler Handel mit Deutschland:
Importe aus dem Kosovo: 23,0 Mio. Euro
Exporte in den Kosovo: 191,1 Mio. Euro

Quellen: EBRD, gtai

Ansprechpartner

Anja Quiring
Regionaldirektorin Südosteuropa
Tel.: 030 206167-130
A.Quiring@bdi.eu

Links

Kosovarische Botschaft

Deutsche Botschaft

Repräsentanz der Deutschen Wirtschaft in Kosovo (Mazedonien)

Diese Seite teilen: