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Kroatien

Stand: Juli 2018

Die kroatische Wirtschaft setzt ihre Erholung von einer der längsten und tiefsten Rezessionen in der EU weiter fort. 2017 betrug das BIP 2,8 Prozent. Wachstumstreiber war die Binnennachfrage, insbesondere der private Konsum. Ein wichtiger Sektor ist der Tourismus. Die finanziellen Schwierigkeiten des größten privaten Unternehmens Agrokor gehören weiterhin zu den Risiken für das Wirtschaftswachstum.

Wirtschaftliche Entwicklung

Laut der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) wuchs die kroatische Wirtschaft 2017 um 2,8 Prozent, eine leichte Abschwächung gegenüber dem Vorjahr mit einem Wachstum von 3,2 Prozent. Nach Angaben der EBRD ist die Verlangsamung vor allem auf eine Belebung der Importe zurückzuführen. Angetrieben wurde die Wirtschaft durch eine gute touristische Saison, einen starken Konsum und private Investitionen. Die Haushaltskonsolidierung setzte sich fort und der Haushaltssaldo stieg auf einen Überschuss von 0,8 Prozent des BIP. Obwohl die Staatsverschuldung im Jahr 2016 zurückging, ist sie mit 78 Prozent des BIP immer noch hoch.

Dienstleistungen haben einen Anteil von über 58 Prozent am BIP des Mittelmeerlandes, Tendenz steigend, auch aufgrund des Tourismussektors. Dagegen geht der Anteil des verarbeitenden Gewerbes weiter zurück. Hier fallen die Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie am stärksten ins Gewicht. Das größte Branchenunternehmen Agrokor ist zugleich Kroatiens größtes privates Unternehmen. Der Konzern geriet jedoch im Frühjahr 2017 in eine finanzielle Schieflage, deren Lösung laut Germany Trade & Invest (gtai) eine grundlegende Umstrukturierung in dem Sektor zur Folge haben könnte. Weitere wichtige Branchen mit Potenzial sind die IKT- und die Pharmaindustrie.

Aber auch die Bereiche Transport und Logistik sowie Energie haben Zukunftspotenzial. Insbesondere der Bau eines Flüssiggas-Terminals in der Nord-Adria sowie der Ausbau des Erdgasleitungsnetzes und seine Anbindung an die Trans-Adria-Gaspipeline TAP und Slowenien könnten Kroatien zum regionalen Knotenpunkt für die Erdgasversorgung machen. Einige große Kraftwerksprojekte befinden sich im fortgeschrittenen Planungsstadium, bleiben aber umstritten. Im Laufe des Jahres 2018 soll eine neue Energiestrategie für den Zeitraum bis 2030 verabschiedet werden.

Für die Jahre 2018 und 2019 erwartet die EBRD, dass sich das Wirtschaftswachstum abschwächen wird, da unterstützende Faktoren wie Steuersenkungen auslaufen. Diese Abschwächung soll aber gering ausfallen. Die EBRD rechnet mit einem BIP-Wachstum von 2,7 beziehungsweise 2,5 Prozent. Dazu beitragen dürfte vor allem die Tourismusbranche. Auch EU-Mittel werden laut EBRD die Wirtschaft beflügeln. Der Internationale Währungsfonds geht von einem minimal höheren Wirtschaftszuwachs in Höhe von 2,8 Prozent beziehungsweise 2,6 Prozent aus. Für eine höhere Produktivität und langfristiges Wirtschaftswachstum muss Zagreb die Überschuldung von Unternehmen und die Verbesserung der Corporate Governance anpacken. Darüber hinaus birgt das potenzielle Übergreifen der finanziellen Probleme von Agrokor auf seine Tochtergesellschaften und Lieferanten kurzfristig immer noch ein Abwärtsrisiko.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Im vergangenen Jahr konnte der deutsch-kroatische Handel weitere Zuwächse verzeichnen. Am stärksten zogen die deutschen Einfuhren an: um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf 1,6 Milliarden Euro. Die Ausfuhren aus Deutschland nach Kroatien stiegen um neun Prozent auf 3,2 Milliarden. 2017 lag der Handelsumsatz bei 4,8 Milliarden Euro – ein Plus von etwa zehn Prozent. Wichtigste deutsche Exportgüter nach Kroatien sind Kraftwagen und Kraftwagenteile, Maschinen, Nahrungsmittel und Futtermittel, chemische Erzeugnisse. Die wichtigsten deutschen Importgüter aus Kroatien sind elektrische Ausrüstungen, Maschinen, Kraftwagen und Kraftwagenteile.

Quellen: AIK Croatia, EBRD,  EU, gtai, IWF, Statistisches Bundesamt, Weltbank

Aktivitäten des OAOEV

Der OAOEV kam am 15. März 2016 gemeinsam mit Vertretern des Bundeswirtschaftsministeriums und der Deutsch-Kroatischen Industrie- und Handelskammer mit der kroatischen Seite zu einem Treffen der Task Force zusammen. Mit diesem Instrument begleiten die genannten Akteuren Unternehmensprojekte mit dem Ziel, gemeinsam mit der kroatischen Seite akute Probleme bei der Umsetzung zu lösen. Am 25. April 2016 nutzte Premierminister Tihomir Oreskovic seinen Besuch in München für ein Gespräch mit Unternehmensvertretern des OAOEV.

Mit dem Stipendienprogramm der Deutschen Wirtschaft für den Westbalkan bietet der OAOEV jungen Nachwuchskräften aus Kroatien die Möglichkeit, im Rahmen von Berufspraktika in deutschen Unternehmen Erfahrungen zu sammeln. Das Programm ist eine gemeinsame Initiative mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Statistik 2017

Präsidentin: Kolinda Grabar-Kitarović
Ministerpräsident: Andrej Plenkovic
Hauptstadt: Zagreb
Bevölkerung: 4,2 Mio.

Nominales BIP: 47,82 Mrd. Euro
BIP pro Kopf: 11,52 Euro
BIP-Wachstum: 2,8%
BIP-Wachstum, 2018 (P): 2,7%

Bilateraler Handel mit Deutschland:
Importe aus HR: 1,6 Mrd. Euro
Exporte nach HR: 3,2 Mrd. Euro

Quellen: EBRD, gtai

Ansprechpartner

Anja Quiring
Regionaldirektorin Südosteuropa
Tel.: 030 206167-130
A.Quiring@bdi.eu

Links

Kroatische Botschaft

Deutsche Botschaft

Deutsch-Kroatische Industrie- und Handelskammer

Investitionsagentur

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