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Stand: Juli 2018

Die kirgisische Wirtschaft ist gewachsen. Ein kräftiger Anstieg der Industrieproduktion überstrahlt den schwächelnden Dienstleistungssektor und die Landwirtschaft. Beflügelt wurde das Wachstum insbesondere von einer stärkeren Goldproduktion. Zudem sorgte die Erholung der russischen und kasachischen Wirtschaft für höhere Exporte und Rücküberweisungen von Arbeitsmigranten.

Wirtschaftliche Entwicklung

Kirgisistans Wirtschaft ist 2017 um 4,6 Prozent gewachsen. Ursache dafür ist eine Steigerung der Goldproduktion, nachdem der kanadische Betreiber Centerra Gold den Streit um die Kontrolle der wichtigen Goldmine Kumtor beilegen konnte. Oppositionelle hatten 2010 die Verstaatlichung der Mine gefordert. Sie trägt zwischen acht und zehn Prozent zur gesamten Wirtschaftsleistung des Landes bei. Insgesamt macht die Goldproduktion laut der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) 78,4 Prozent der Industrieproduktion des Landes aus. Die Landwirtschaft schwächelte hingegen 2017 und verringerte sich im Vergleich zum Vorjahr um 0,8 auf 2,2 Prozent. Auch im Dienstleistungssektor verlangsamte sich das Wachstum von 3,6 Prozent im Vorjahr auf 2,6 Prozent. Das Wachstum des Handels verschmälerte sich von acht auf 3,5 Prozent. Die Rücküberweisungen von Arbeitsmigranten – bei Weitem die wichtigste Devisenquelle für Kirgisistan – stiegen 2017 um 24 Prozent. Vor allem dadurch wurde der private Konsum wiederbelebt. Auch sorgte die Erholung der kasachischen und russischen Wirtschaft für ein Umsatzplus im Außenhandel. Eine große Herausforderung bleibt die Anpassung der Wirtschaft an die Standards der Eurasischen Wirtschaftsunion (EAWU) und den gestiegenen Wettbewerbsdruck. Bisher waren die Wachstumsimpulse ausgeblieben, die sich Kirgisistan mit dem Beitritt zur Wirtschaftsunion erhofft hatte. Allerdings profitieren kirgisische Arbeitsmigranten von den verbesserten Arbeitsmöglichkeiten in den Ländern der EAWU. Ein weiteres Problem ist die hohe Staatsverschuldung im Ausland. Laut der kirgisischen Zentralbank betragen die Auslandschulden 4,4 Billionen US-Dollar. 41 Prozent der Schulden hat das Land bei der Chinesischen Export-Import-Bank.

Die ADB erwartet für 2018 ein gedrosseltes BIP-Wachstum von 3,5 Prozent. Ursache hierfür seien nach Ansicht der Experten das hohe Niveau von 2017 und ein Rückgang der Goldproduktion in der Mine Kumtor. Ab 2019 erwartet die Bank wieder ein Wachstum von vier Prozent. Vor allem die Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte, die Entwicklung der Leichtindustrie und die Belebung der Bauwirtschaft dürften für anhaltenden Aufschwung sorgen.

Auf der Nachfrageseite könnten weiterhin steigende Überweisungen von Geld aus dem Ausland zu einem höheren Haushaltseinkommen und damit wachsendem Konsum der Verbraucher führen. Die kirgisische Wirtschaft bleibt sehr stark von der Goldproduktion und den Auslandsüberweisungen abhängig und muss dringend diversifiziert werden. Strukturreformen, ein besseres Investitionsklima und eine verlässliche Rechtsstaatlichkeit sind der ADB zufolge dringend notwendig. Ein Ansatz dafür ist das im vergangenen Jahr von der Regierung initiierte Programm „Taza Koom“. Es soll eine nachhaltige Entwicklung durch Innovationsförderung und Digitalisierung anstoßen.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Deutschland spielt als Handelspartner für Kirgisistan weiterhin nur eine untergeordnete Rolle. Nachdem die Ausfuhren 2016 eingebrochen waren, stiegen sie im vergangenen Jahr um 28 Prozent von 48,6 Millionen auf 62 Millionen Euro. Deutschland liefert hauptsächlich Maschinen, Arzneimittel und Elektrotechnik nach Kirgisistan. Die Einfuhren nach Deutschland verringerten sich 2017 um 9,7 Prozent und betrugen 14 Millionen Euro. Deutschland bezieht aus Kirgisistan Gold für nichtmonetäre Zwecke, Nahrungsmittel und Textilien.

Aktivitäten des OAOEV

Im Mai 2015 fand unter der Leitung des Ost-Ausschuss-Geschäftsführers Rainer Lindner eine Delegationsreise nach Tadschikistan und Kirgisistan statt. Auf dem Programm der Delegation standen neben der Teilnahme am Tag der Deutschen Wirtschaft in Bischkek politische und wirtschaftliche Gespräche, unter anderem mit dem kirgisischen Präsidenten Almasbek Atambajew. Aktuelle Entwicklungen in Zentralasien standen auf der Agenda des traditionellen Treffens des Expertenkreises „Zentralasien“ des Ost-Ausschuss Ende September 2015 in Berlin. Im Rahmen des Expertenkreises tauschten sich Fachexperten und Vertreter aus Politik und Wirtschaft über die aktuelle politische und wirtschaftliche Lage in der Region aus. Im Rahmen des Eurasia Business Forum am 24. November 2015 während der OECD Eurasia Business Week fanden Treffen mit hochrangigen Regierungsvertretern aus Zentralasien statt.

Gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) sowie der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) setzt der Ost-Ausschuss seit 2012 ein Projekt zur Rohstoffkooperation mit Zentralasien um.

Quellen: ADB, IWF, Nationales Statistikamt, UNCTAD

Statistik 2017

Präsident: Sooronbai Dscheenbekow
Ministerpräsident: Sapar Isakow
Hauptstadt: Bischkek
Bevölkerung: 6,0 Mio.

Nominales BIP: 6,6 Mrd. Euro
BIP pro Kopf: 1.069 Euro
BIP-Wachstum: 4,5%
BIP-Wachstum, 2018 (P): 3,7%

Bilateraler Handel mit Deutschland:
Importe aus KS: 13,9 Mio. Euro
Exporte nach KS: 62,0 Mio. Euro

Quellen: EBRD, GTAI

Ansprechpartner

Eduard Kinsbruner
Regionaldirektor Zentralasien
Tel.: 030 206167-114
E.Kinsbruner@bdi.eu

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