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Stand: Juli 2018

Mazedoniens Wirtschaft ist 2017 nicht gewachsen. Die schleppende Regierungsbildung hatte Investitionen lahmgelegt und das Investitionsklima getrübt. Lediglich der Konsum wuchs im vergangenen Jahr. Dagegen waren öffentliche und private Investitionen ausgesetzt worden. Dies spürten die Industrie und Bauwirtschaft am stärksten. Die neue Regierung hat ein umfassendes Reformpaket beschlossen. Hoffnung macht eine Annäherung zwischen Griechenland und Mazedonien im Streit um den Namen des Landes.

Wirtschaftsentwicklung

Laut der Europäischen Bank für Entwicklung und Wiederaufbau (EBRD) ist die mazedonische Wirtschaft 2017 nicht gewachsen. Lediglich der Konsum verzeichnete positive Zahlen. Dagegen schrumpften die Industrieproduktion und der Bausektor um 14 Prozent. Sowohl private als auch öffentliche Investitionen gingen um 1,1 Prozent zurück, da das Geschäftsklima durch die langwierige politische Krise gedämpft wurde. Die Regierung war in vielen Punkten praktisch handlungsunfähig, sodass beispielsweise öffentliche Infrastrukturprojekte auf Eis gelegt worden waren.

Die Inflationsrate stieg von minus 0,2 Prozent auf 1,2 Prozent. Die Preise für Lebensmittel, Getränke, Bekleidung und Kommunikation hatten angezogen. Bei der Schaffung von Arbeitsplätzen haben staatliche Förderprogramme gegriffen. Die Arbeitslosenquote sank laut Weltbank weiter auf 22,4, Prozent auf den niedrigsten Stand seit 2014 (28 %).

Der Bankensektor ist laut EBRD stabil aufgestellt. Im vergangenen Jahr war der Anteil der notleidenden Kredite von 10,5 Prozent auf 6,5 Prozent geschrumpft. Die Maßnahmen zur Abschreibung dieser Kredite haben laut EBRD gegriffen.

Zudem hat die Regierung einen Plan vorgelegt, der unter anderem Reformen des Steuersystems, die Unterstützung von Unternehmen sowie den Ausbau der Bahn- und Straßeninfrastruktur vorsehen. Ebenso will Mazedonien seine Gasimporte diversifizieren und eine energieeffiziente Wirtschaft entwickeln.

Die EBRD geht für 2018 von einem erneuten BIP-Wachstum von 2,5 und für 2019 von drei Prozent aus. Neben dem Ausbau des Verkehrsnetzes bildet der Energiesektor einen Schwerpunkt der künftigen Investitionen im Land. Mit der Stabilisierung der politischen Situation werden voraussichtlich auch Investoren wieder zu ihrer Anlagefreundlichkeit zurückfinden, prognostiziert die Bank.
Mazedonien erhielt bereits Ende 2005 den Status als EU-Beitrittskandidat. Bei der weiteren Annäherung an die Gemeinschaft gab es zuletzt jedoch wenig Bewegung. Ein Grund ist der Namensstreite mit Griechenland. Mitte Mai 2018 hatte Griechenlands Regierungschef Alexis Tsipras den Namen „Neu-Mazedonien“ oder „Nord-Mazedonien“ vorgeschlagen.

Wirtschaftsbeziehungen mit Deutschland

Sowohl Importe aus Mazedonien nach Deutschland als auch die deutschen Exporte ins Balkanland sind 2017 gegenüber dem Vorjahr um elf Prozent gestiegen. Die Exporte lagen bei rund einer Milliarde Euro, die Importe kamen auf einen Wert von rund 2,5 Milliarden Euro, 18,7 Prozent mehr als 2016. Die wichtigsten deutschen Exportgüter sind Vorerzeugnisse für die Textilindustrie, Maschinen sowie chemische Erzeugnisse. Bei den Importen aus Mazedonien stehen Maschinen, Textilien und Bekleidung sowie Elekrotechnik ganz vorn. Deutschland bleibt mit deutlichem Abstand wichtigster Abnehmer von Waren aus Mazedonien. Der Anteil an den Gesamtexporten lag 2017 bei 47 Prozent. Darüber hinaus wurden die heimischen Waren hauptsächlich nach Serbien, Bulgarien und nach Italien geliefert.

Quellen: EBRD, EU, GTAI, IWF, Nationales Statistikamt, Statistisches Bundesamt

Aktivitäten des OAOEV

Seit 2014 treffen sich auf Initiaitive von Bundeskanzlerin Angela Merkel einmal jährlich die wichtigsten Regierungsmitglieder aller sechs Westbalkan-Staaten mit Spitzenvertretern aus der EU zum Westbalkan-Gipfel. Ziel dieses sogenannten "Berlin-Prozesses" ist es, regionale Kooperationen auszubauen. Der OAOEV beteiligt sich von Beginn an als Veranstalter verschiedener Wirtschaftskonferenzen und Treffen aktiv an diesem Prozess.

Am 18. und 19. April 2018 fand dieser Gipfel im mazedonischen Skopje statt und wurde durch den gastgebenden Premierminister Zoran Zaev eröffnet. Anwesend waren Vertreter der sechs Westbalkan-Staaten und der EU, darunter EU-Digitalkommissarin Mariya Gabriel und der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Energie Thomas Bareiß. Zwei Tage lang diskutierten etwa 800 Teilnehmer aus den Ländern der Westbalkan-6, Vertreter der EU sowie Experten von Unternehmen und NGOs über Digitalisierungsprojekte in der Region.

Ein Höhepunkt war die Präsentation einer im Auftrag der "digital WB6+ Initiative" erstellten Studie, die über die Auswirkungen der digitalen Transformation auf das wirtschaftliche Wachstum der Region und die dafür notwendigen Voraussetzungen informiert. Die "digital WB6+ Initiative" wird von der Deutschen Telekom, Telenor, Telekom Austria, Ernst & Young, SAP sowie dem OAOEV, den deutschen Auslandshandelskammern und weiteren Wirtschaftskammern in der Region getragen.

Mit dem Stipendienprogramm der Deutschen Wirtschaft für den Westbalkan bietet der OAOEV jungen Nachwuchskräften aus Mazedonien die Möglichkeit, im Rahmen von Berufspraktika in deutschen Unternehmen Erfahrungen zu sammeln. Das Programm ist eine gemeinsame Initiative mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.

Statistik 2017

Präsident: Gjorge Ivanov
Ministerpräsident: Zoran Zaev
Hauptstadt: Skopje
Bevölkerung: 2,1 Mio.

Nominales BIP: 11,5 Mrd. Euro
BIP pro Kopf: 4.802 Euro
BIP-Wachstum: 0%
BIP-Wachstum, 2018 (P): 2,5%

Bilateraler Handel mit Deutschland:
Importe aus MK: 2,47 Mrd. Euro
Exporte nach MK: 1,04 Mrd. Euro

Quellen: EBRD, gtai

Ansprechpartner

Anja Quiring
Regionaldirektorin Südosteuropa
Tel.: 030 206167-130
A.Quiring@bdi.eu

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