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Russische Föderation

RusslandStand: April 2019

Die russische Wirtschaft erholt sich weiter von der längsten Rezessionsphase seit den frühen 1990er Jahren, allerdings mit einer geringen Dynamik. Aktuelle Prognosen für 2019 gehen von etwa 1,5 Prozent Wachstum aus. Durch neue US-Sanktionen gegen Russland, die auch europäische Unternehmen betreffen könnten, können sich neue Risiken ergeben.

Wirtschaftsentwicklung

Russlands Wirtschaft ist nach Angaben des Nationalen Statistikamts Rosstat 2018 überraschend kräftig um 2,3 Prozent gewachsen. Die positive Entwicklung der Rohstoffpreise im vergangenen Jahr und steigende Öl- und Gasexporte trugen maßgeblich zur wirtschaftlichen Erholung bei, und die Rubel-Abwertung gab den Export- und Haushaltseinahmen zusätzlichen Schub. Auch der private Konsum, der von steigenden Reallöhnen profitierte, trug zum Wachstum bei. Dazu kommen große Investitionsprojekte im Energiesektor, die rund ein Drittel aller Investitionen ausmachen, und in der Infrastruktur. Das Wirtschaftswachstum in den Jahren 2019 und 2020 dürfte sich laut Prognosen bei etwa 1,5 Prozent einpendeln. Ein maßgeblicher Wachstumstreiber bleiben die Exporte, insbesondere steigende Gasausfuhren. Die Mehrwertsteuererhöhung zu Jahresbeginn 2019 und die höhere Inflation bremsen dagegen den privaten Konsum und einige große Investitionsprojekte im Energiesektor (Pipelines, LNG-Terminal, Gasverflüssigungsanlagen) stehen vor dem Abschluss.

Schwachstellen der russischen Wirtschaft bleiben neben der unzureichenden Diversifizierung eine zu hohe Staatsquote, die modernisierungsbedürftige Infrastruktur, die weiterhin zu verhaltene Bekämpfung der Korruption und der erschwerte Zugang zu Krediten. Die seit Sommer 2014 infolge des Ukraine-Konflikts bestehenden westlichen Wirtschaftssanktionen erschweren die Situation zusätzlich. Die russische Wirtschaft bleibt in hohem Maße von der Entwicklung des Ölpreises abhängig, auch wenn der flexible Wechselkurs und die antizyklische Fiskalpolitik den Einfluss von Preisschwankungen zumindest abfedern.

Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland

Nachdem der deutsche Außenhandel mit Russland 2016 noch leicht rückläufig war, stehen die  Zeichen seit 2017 wieder auf Wachstum. 2018 hat der bilaterale Warenaustausch allerdings deutlich an Dynamik verloren: Die deutschen Lieferungen nach Russland stagnierten bei knapp 26 Milliarden Euro. Die Importe aus Russland waren dagegen mit gut 36 Milliarden Euro um 14,6 Prozent höher als im Vorjahr. Wichtigste Exportgüter aus Deutschland waren Maschinen, Kfz und Kfz-Teile, chemische und pharmazeutische Erzeugnisse, Datenverarbeitungsgeräte sowie elektrische und optische Erzeugnisse.

Dennoch bleiben die Verluste im bilateralen Handel in der Langzeitbetrachtung signifikant und es ist noch ein weiter Weg zurück zu alten Spitzenwerten (2012 lag das deutsch-russische Handelsvolumen bei 80 Milliarden Euro). Unter den deutschen Absatzmärkten belegte Russland 2018 Rang 15 (2012: Rang elf), unter den deutschen Einfuhrländern Rang 12.

Seit Beginn der Krise ist die Präsenz deutscher Unternehmen auf dem russischen Markt von rund 6.000 auf 4.700 gesunken. Die Wirtschafts- und Sanktionskrise hat also Spuren hinterlassen, die überwiegende Mehrheit der deutschen Unternehmen hält jedoch am russischen Markt fest.

Die deutschen Unternehmen im Russland-Geschäft blicken mit wachsenden Sorgen auf 2019: Im Vergleich zum Vorjahr haben sich die Geschäftserwartungen deutlich eingetrübt. Zu den großen Risikofaktoren gehören neben dem volatilen Wechselkurs des Rubels die Sanktionen gegen Russland. Dies sind die zentralen Ergebnisse der 16. Geschäftsklima-Umfrage des Ost- OAOEV und der Deutsch-Russischen Auslandshandelskammer (AHK), die im Dezember 2018 vorgestellt wurde.

Aktivitäten des OAOEV

Um in Zukunft die mittelständischen Strukturen noch weiter zu stärken und deutschen Unternehmen den Eintritt in den russischen Markt zu erleichtern wurde 2013 auf Initiative des Ost-Ausschusses die Kontaktstelle Mittelstand eingerichtet. Sie hat das Ziel, Netzwerke und Informationen über wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen für den Markteintritt in Russland und anderen osteuropäischen Ländern bereitzustellen und interessierte Unternehmen zu beraten. Gemeinsam mit dem Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME), der AHK Russland und dem Russischen Export-Zentrum unterzeichnete der OAOEV auf dem St. Petersburger Wirtschaftsforum Ende Mai 2018 eine Absichtserklärung zu einer Einkaufsinitiative Russland.

Deutsche und russische Unternehmen wollen auf dem Gebiet der Digitalisierung enger zusammenarbeiten. Dazu wurde bereits auf dem St. Petersburg International Economic Forum 2017 ein Memorandum of Understanding (MoU) zwischen dem Russischen Unternehmerverband RSPP und dem Ost-Ausschuss für eine German-Russian Initiative for Digitilization (GRID) unterzeichnet. Dem RSPP und dem OAOEV schloss sich die AHK in Moskau an. Die Initiative wird wesentlich durch die beteiligten Unternehmen getragen, darunter Siemens, SAP und die Robert Bosch GmbH. Auf dem St. Petersburg International Economic Forum (SPIEF) im Mai 2018 organisierte der OAOEV ein Panel zum Thema „Germany-Russia-Business-Dialogue: Efficiency Partnership“.

Im Februar 2019 stellte der OAOEV ein Positionspapier vor, das eine „Neue Agenda“ für die wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Deutschland, der EU und Russland beschreibt. Es trägt den Titel „Gemeinsame Interessen definieren – gemeinsame Projekte umsetzen: Eine neue Agenda für die europäisch-russischen Wirtschaftsbeziehungen“.

Seit nunmehr fünf Jahren gehört das vom OAOEV organisierte deutsch-russische Unternehmerfrühstück mit den Außenministern beider Länder zu den traditionellen Terminen auf der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC). Auch 2019 trafen sich Mitte Februar auf der MSC rund 30 Unternehmensvertreter zum Arbeitsfrühstück mit den Außenministern Deutschlands und Russlands, Heiko Maas und Sergej Lawrow. Thema waren strategische Felder der bilateralen wirtschaftlichen Zusammenarbeit.

OAOEV-Geschäftsführer Michael Harms besuchte im März 2019 die russische Region Uljanowsk, parallel zu den dort stattfindenden Tagen der deutschen Wirtschaft. Ende März fand in Berlin die 6. Sitzung des Arbeitskreises Russland im OAOEV statt. Eines der Schwerpunktthema des Arbeitskreises war das Thema Cybersecurity.

Der OAOEV ist einer der Träger der Stiftung Deutsch-Russischer Jugendaustausch.

Quellen: BOFIT, Weltbank, GTAI, Statistisches Bundesamt

Statistik 2018

Präsident: Wladimir Putin
Ministerpräsident: Dmitrij Medwedew
Hauptstadt: Moskau
Bevölkerung: 146,8 Mio.  

Nominales BIP: 1.335,6 Mrd. Euro
BIP pro Kopf: 9.279 Euro 
BIP-Wachstum: 1,5 %
BIP-Wachstum, 2019 (P): 1,5 %

Bilateraler Handel:
Deutsche Importe: 36,0 Mrd. Euro 
Deutsche Exporte: 25,9 Mrd. Euro

Quellen: EBRD, Rosstat, gtai
 

Ansprechpartner

Dr. Christiane Schuchart
Regionaldirektorin Russland
Tel.: 030 206167-123
C.Schuchart@bdi.eu

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